Alte Muster und begrenzter Fortschritt

Die Tiere werden doch auf einen Lebenshof auch geschlachtet und für die menschlichen Bedürfnisse verwertet?! Bis heute scheint es gesellschaftlicher Konsens zu sein, daß sog. Nutztiere ausschließlich einem Schlachtbetrieb zugeführt oder zu menschlichen Bedürfnissen ausgebeutet werden können. Es ist für die Mehrheit einfach unbegreiflich, gerade weil nicht anders beigebracht, daß auch (Nutz-)Tiere eines natürlichen Todes sterben dürfen, nachdem sie für ihre Bedürnisse einigermaßen gerechte Verhältnisse genießen durften, menschliche Fürsorge erfahren oder auf Lebenszeit begleitet werden können. Vor allem das man dafür Geld und damit Leistung bereithält. Das gerade zeigt auch die Wertstellung des Lebens und des Mitgefühls für die Mehrheit der Gesellschaft heute an sich. (Nutz-)Tiere sind für die meisten Menschen heute befremdlich, ohne jeden Bezug und Vorstellung über deren wahre Wesen. Der erste Kontakt ist meist mit Dramatik, Erstaunen bis hin zu Freude verbunden. Nun, zu Erstgenannten oben bezüglich artgerechter Haltung würde wieder argumentiert, daß ein Stall mit abgegrenzten, wenn auch großen Außenbereich doch auch keine natürlichen Gegebenheiten wären, oder etwa Freiheit. Nun hat man sich aber Tiere über Jahrtausende gezüchtet, die mit ihrem Ursprung heute sowieso nur noch wenig gemein haben und diesen gar nicht mehr exakt zugeordnet bzw. beigebracht werden könnten.

Vor vielen tausend Jahren haben die Menschen angefangen, Tiere zu zähmen und in ihrer Obhut zu Nutztieren zu machen. Die Urformen vieler Tiere sind heute nahezu ausgerottet, wie beispielsweise beim Rind der Bison. Damals wurden Tiere vor allem Nachts eingezäunt. Sie vermehrten sich unter dem menschlichen Einfluss und veränderten ihre Lebensgewohnheiten. So fing man an, sie in Gefangenschaft zu halten, so daß man nach belieben Fleisch, Leder, Wolle oder Milch verfügbar hatte. Das brachte letztlich auch den Menschen weitestgehend die Seßhaftigkeit. Heute hat man diese Entwicklung ins Extreme pervertiert, in dem man sich die Turbokuh oder die riesige Zuchtsau geschaffen hat. Große dunkle Ställe, Mastbetriebe, Tierquälerei, die Massentierhaltung und grundlegend eine Haltung, die große Probleme für die Umwelt und die Lebensgrundlagen, auch für die eigene Gesundheit darstellt.

Für die Tiere, wenn es nicht gerade Haustiere sind, gibt es mehrheitlich keine Akzeptanz mehr zum langen Leben, schon gar nicht deren Leben zu retten. Das macht auch die unvorstellbare Größe dieser Industrie möglich und die daraus resultierenden Verhältnisse. Unsere heutige Gesellschaft ist außerdem mit wenigen Ausnahmen auf schieren Materialismus und Überfluss aufgebaut. Gesellschaftlich anerkannt ist ausschließlich was Produktionsgüter schafft, was man letztlich anfassen oder mit einem Betrag XY bewerten kann. Wenn man am Ende des Tages diesbezüglich keine Erfolge vorzuweisen hat, gilt es als nicht linientreu, es ist geradezu falsch im gesellschaftlichen Konsens. Alles was über die permanente Habgier im positiven Sinne hinausgeht ist verpönt, also auch die Unterstützung für ein (Nutz-)Tier, von dem man keinerlei Erwartung und Ansprüche hat, statt Geld zu bringen – Geld kostet. Aber regelmäßig neue Handys sind ein „Must-Have“. Doch, Tierschutz rettet Tieren das Leben und für jedes dieser ist das eigene Leben das höchste Gut und erbitterter Wille. Es geht also um Leben und um die Chance, wenn auch nur für ein Paar, die mit jedem Zweifel, mit jeder Abwertung und Lächeln von Kritikern und Skeptikern in Frage und Abrede gestellt werden.

Leider geht unsere Entwicklung immer dort hin, wo ausschließlich Geld gemacht wird oder wo Wohlstand für einige Wenige gehortet werden kann. Gerade das verhindert permanent einen schnelleren Fortschritt.

Marcel L.

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