Bargeld abschaffen – und dann … ?

Die mitunter kleinste Hürde das Bargeld abzuschaffen scheint tatsächlich derzeit in Europa zu liegen. Das wird anhand der langen Liste der Währungsreformen und Geldentwicklung in der Vergangenheit in den Staaten Europas deutlich. In erster Linie sind es (auch) die Regierungen, die das Geldsystem für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Sie verwalten es, also meinen sie auch die Macht darüber besitzen zu dürfen, nur lassen sie es auch nicht zu, sich davon zu distanzieren, wenn es grundlegend missfällt, da es in der Regel ungerecht ist. Gerade deshalb werden heute schon sämtliche Kapitalströme durch Behörden kontrolliert und reglementiert. Immer mit Kontrolle und Maßregelung von systemtreuen, eigennützigen, arroganten und willkürlichen Amtsträgern und Behörden. Menschen die sich kaum ihren Handelns hintergründig bewusst sind, mit mangelnden Kenntnissen und Verständnis.

Ein echtes Bankgeheimnis gibt es nicht mehr, das vor staatlicher Willkür schützt. Menschen verstehen kaum die politischen Zusammenhänge, werden auf völlig andere Dinge getrimmt. Eine bargeldlose Gesellschaft bedeutet vor allem die Kontrolle der Politik über die Vermögenswerte eines jeden Einzelnen. Stetig wird lamentiert, wie gut es doch den Menschen hierzulande gehen darf. Doch die Abgabenlast ist mitunter 60 – 70% des monatlichen Bruttoeinkommens. Die Politik meint, wenn jeder seine Steuern in gewisser Höhe bezahlen würde, wäre alles in Ordnung, wodurch auch die Schuldenkrise zu lösen wäre. In der Vergangenheit gab es im Übrigen schon Abgabelasten von 90%. Die Banken habe vor allem auch die Gesellschaften über die Regierungen in ihren Zwängen, doch scheint es egal zu sein, wer für die Geldschöpfung zuständig sein darf, die Regierung in ihrer heutigen Form und Gier wäre gerade keine angemessene moralische Ersatzinstanz, die die Banken in ihrer jetzigen Aufgabe ersetzen könnte. Für die Politik ist gerade aber eine Lösung ihrer veranlassten Schuldenorgie allemal für ihre eigene Zukunft existentiell, um die Macht und die derzeitigen Sicherheiten zu erhalten. Um zu verhindern, dass Menschen Bargeld horten, wird in Europa regelmäßig die Währung aufgehoben und Vermögenswerte vernichtet. Das gerade soll ein Anhäufen von Reichtum verhindern. Hyperinflation findet „nur“ dann statt, wenn das Vertrauen in die Regierung zusammenbricht, wenn eine Regierung die Steuern massiv erhöht, dann kommt es zur Deflation. Kann nämlich die Schuldenlast bzw. die Zinslast auf die angehäuften Schulden nicht mehr über Steuern und Staatsanleihen beglichen werden, weil das Vertrauen in die Politik/die Regierung zusammenbricht, fängt die Regierung in Ausnahmesituationen regelmäßig an, massiv Geld in Eigenregie zu drucken. Menschen, vor allem Unternehmen und Investoren, schränken aber ihre Investitionen ein und horten ihr Vermögen in unsicheren Zeiten, d.h. die Finanzierung des Staates fällt von der Seite her grundlegend weg.

Mit Beseitigung des Bargelds wird nun aber eine klassische Hyperinflation unmöglich, da die Regierung nicht mehr in der Lage ist ihr eigenes Geld zu drucken, um ihre Schulden zu begleichen, was nun in der Vergangenheit auch nie funktioniert hat. Ferner war gerade das der Auslöser für weiteres politisches Chaos und gesellschaftliche Unzufriedenheit. Menschen haben vermehrt politische Randparteien gewählt. Wir scheinen vor einem politischen Experiment zu stehen, in dem vor allem jegliche Politik den An- und Verstand verloren zu haben scheint. Das Vermögenswerte steigen, spiegelt mitunter den politischen Druck wieder, die Angst vor Problemen der Regierungen, den beginnenden Zusammenbruch des Vertrauens. Dann wird auch ein Schwarzmarkt entstehen, wo physisches Geld eventuell in Form von Silbermünzen florieren werden. Die Regierung wird bei aller Anstrengung nie in der Lage sein, diese Kontrolle zu haben und zu behalten, die sie gern hätte. Das alles sind keine echten Lösungen, da vor allem die hiesige Politik, auch wenn sie keiner mehr haben will, kaum gewillt ist, ihren Platz im Sinne der Gesellschaft zu verlassen. Ganz im Gegenteil, die Entwicklung zeigt, dass gerade diese Politik immer skrupel- und anstandsloser wird.

Marcel L.

1 Comments

  1. Bargeld und Giralgeld sind zwei unterschiedliche Geldformen. Beide entsprechen den Geldfunktionen: Tauschmittel, Wertmaßstab, Wertaufbewahrungsmittel. Wie gut sie das tun sei jetzt dahingestellt. Was beide Geldformen grundsätzlich unterscheidet ist, und das ist von immenser Bedeutung, dass sie in den Bilanzen der Geschäftsbanken auf unterschiedlichen Seiten zu finden sind. Das Bargeld (gesetzliches Zahlungsmittel) findet man auf der Aktivseite und das Giralgeld (kein gesetzliches Zahlungsmittel) auf der Passivseite. Das kommt daher, dass Giralgeld der Geschäftsbanken privates Geld der jeweiligen Geschäftsbank ist und immer nur eine Forderung auf Bargeld darstellt. Also genau genommen eine Schuld der Geschäftsbank ausdrückt. Wenn man das Bargeld abschafft, ohne ein entsprechendes elektronisches Zentralbankgeld, welches das Bargeld ersetzt, ist das Giralgeld der Geschäftsbanken eine Forderung auf etwas, was es nicht mehr gibt. Also eine Forderung auf nichts. Die Geschäftsbanken wären faktisch entschuldet und es gäbe außer ihrem privaten Geld kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr.

    Diesen Aspekt sollte man genau im Auge behalten.

    Noch eine Anmerkung: Wenn jemand (eine Regierung, ein Staat, eine Gemeinschaft) in der Lage ist, sein eigenes Geld zu drucken, dann kann dieser jemand nicht gleichzeitig bei sich selbst finanziell verschuldet sein. Dabei ist es gleichgültig ob das Geld in bar oder elektronischer Form vorliegt.

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