Der neue deutsche Imperialismus

All zu oft wird von neuen emanzipatorischen Stoßrichtungen deutscher Außen- und Innenpolitik gesprochen, von neuen Interessen und Anreizen einer neuerlichen Entwicklung aus reinen (deutschen) „Selbstwillen“ und für eigene politische (nicht aber gesellschaftliche) Macht, vor allem im geopolitischen und wirtschaftsglobalistischen Kräftemessen. Das aber ist schlicht unglaubwürdig und bei genauer Betrachtung völlig absurd. In der Form, wie es teilweise angenommen wird, wäre es nicht einmal wünschenswert. Deutschland hat bislang weder die Mittel und Rahmenbedingungen, noch die gesellschaftlichen/politischen, aber auch medialen Größen, sich von allen Lasten und einem abgehobenen (Welt-)Herrschaftsmodell loszusagen. Gerade das wird auch deutlich in diversen Papieren, die man dahingehend anführt. So stellt man nur mehr weiterhin einen Außenposten und koloniale Wirtschaftsgröße einer tief implementierten (Schatten-)Regierung über weite Teile der Gesellschaft dar. Über gewählte (Marionetten-)Politiker ohne Rückgrat braucht dahingehend schlicht keine Gedanken verschwendet zu werden. Politik ist längst in private Stiftungen und Denkfabriken, oder auch in externe Dienstleistungen ausgelagert wurden, in denen die Mitglieder ausschließlich die eigenen Vorteile und finanzielle Annehmlichkeiten für sich beanspruchen. Letztlich Verwerter großer Steuervermögen und gesellschaftlicher Werte darstellen.

Dazu passt ganz gut eine Erkenntnis von Prof. Rainer Mausfeld, der registriert, dass der Neoliberalismus sich staatliche Strukturen zur Beute gemacht hat, um mit den Mitteln des Staates Konzerne und Reiche einer öffentlichen Kontrolle zu entziehen und sie von Beiträgen zu Gemeinschaftsaufgaben zu befreien. Das eben sei die Stoßrichtung des neuerlichen Liberalismus und hätte dahingehend mit dem klassischen Liberalismus nichts gemein. Wo noch der klassische Liberalismus den Bürger vor den Staat schützen wollte, will der derzeit vorfindbare Liberalismus den Staat gleichsam parasitär übernehmen und ihn zu einem Interventions- und Subventionsstaat für die Reichen umbauen. Er hätte eine Reihe von Mechanismus entwickelt, durch die sich ökonomische Macht in politische Macht transferieren lassen würde. Gleiches erleben wir eben überaus anschaulich in den USA und leider auch hierzulande. Die Politik der Notenbanken verdeutlicht das ebenfalls.

Hätte man meinen können, ein neuen Störfaktor innerhalb des imperialen Establishments könnte die elitären Strukturen teilweise, letztlich bis zur Vernichtung aufbrechen, musste man doch unter der rosaroten Brille erkennen, das dieser Ansatz einerseits zu sehr von eigenen Interessen getrieben ist, was eine Verbesserung ebenfalls unmöglich macht, andererseits nicht im Kleinsten gegen alteingesessene Krawallmacher ankommt. Was sich letztlich abzeichnet ist eine politische und wirtschaftliche Krise, die auf Kosten der Gesellschaft und in Kauf genommen der Obrigen zu mehr Unruhen weltweit führt.

So wird ein Dossier auf Initiative des German Marshall Fund of the United States und der Stiftung Wissenschaft und Politik angeführt, um eine starke deutsche Führung zukünftig und neuerlich zu interpretieren und herauszustellen. Diese Zeilen einer Lobbygruppe aus (ausgewählten) Vertretern des Bundestags, der Bundesregierung, aber vor allem aus Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen, Denkfabriken, Medien und Nichtregierungsorganisationen entstanden schon als man noch medial unendliche Treue mit der US-amerikanischen („offiziellen“) Politik schwur. Somit ist es keine neue politische Einstellung aufgrund sich verändernder politischer Verhältnisse in den USA und weltweit, sondern man akzeptiert auch weiterhin größtenteils die schändlichen westlichen Bündnisse und die unmittelbaren militärischen Konfrontationen, die sich aus dem bisherigen imperialen Machtansprüchen ergeben.

Nun wird Deutschland als zentraler Posten in Europa, aber auch Frankreich, lediglich als Zugpferd gegen die aufstrebenden Mächte im Osten (auch BRICS, oder eurasische Union) aufgeboten, als auch beauftragt, das elitäre Projekt einer vereinheitlichten Europäischen Union als neuerlichen Gegenpol voranzutreiben. Von einem Führungsvakuum ist die Rede. Daher ist ebenfalls militärische Aufrüstung Gebot der Stunde, die letztlich, interpretiert man die Stimmen der letzten Monate richtig, zu einer einheitlichen europäischen Streitmacht verschmolzen werden soll. Doch was letztlich die europäische, politische und wirtschaftliche Integration wert ist (nimmt man mal die Vorteile für Großkonzerne aus) wird dieser Tage erneut deutlich. Der Wille der Menschen, der ein bedeutender Grundpfeiler eines geeinten Europas sein muss, interessiert die elitäre Politik schlicht nicht. Ganz gleich ob eine aktuelle Diskussion über Quoten für Flüchtlinge angemessen, menschlich oder gerechtfertigt ist, zeigt doch beispielsweise der Zwang der EU Politik gegenüber einigen osteuropäischen Ländern, wie weit her es mit demokratischen Werten in Europa ist. Letztlich dient der politisch/wirtschaftliche Menschenhandel sowieso nur dahingehend, die schleichende Pensionskrise verhindern zu wollen und der Konjunktur vermeintlich neuen Auftrieb zu verleihen. Über Jahrzehnte hinweg wurde Vermögen durch die Politik verschleudert und verprasst, nun wundert man sich über leere Kassen, in die die Politik nicht mal in einem angemessenen Maß einzahlt, aber andere übermäßig groß verpflichtet.

Andererseits, wie sollen Fachkräfte heranwachsen, die die leeren Kassen auffüllen sollen, wenn man große Teile der Gesellschaft heute schon von klein auf mit primitiven Unterhaltungsmedien oder prinzipiell minderwertig, allein mittels Konsum heranzieht, die wahren Werte gar nicht erst im Auge zu haben. Was die allgemeinschulische Bildung (der Politik) tatsächlich wert ist, darf man sich ausmalen, wenn man bedenkt, dass führende Politiker oder Wohlhabende ihre Kinder großteils in Privatunterricht erziehen und lernen lassen.

Grundlegend wird aber vom Wohlstand gesprochen, der in Gefahr ist, keinesfalls aber von einer Existenz. Für die Politik scheint es eben ein Problem des Wohlstands zu sein, in dem man sich so kuschelig eingehegt hat, den man eben nur ungern wieder aufgibt. Deshalb ist auch die Angst so groß, sich einschränken zu müssen. Gleiches gilt natürlich für weite Teile der wohlstandsverwöhnten Gesellschaft. Nein, Wohlstand ist nicht prinzipiell schlecht. Er ist in vielen Belangen ein Segen und ein positiver Faktor für Gesundheit und Lebensqualität. Der heutige Lebensstandard hat auch viel positives gebracht, mag sein auch gesellschaftlichen Frieden, doch scheint man eben weitestgehend die Verhältnismäßigkeiten verloren zu haben, was beinahe in allen Lebensbereichen zu einer gravierenden Verschwendung vorhandener Ressourcen, sowie zu erheblicher Belastung der Umwelt und aller Lebewesen geführt hat.

Letztlich werden Zwänge, die vor allem durch die europäische Politik von oben diktiert werden, nur in gesellschaftlichen Konflikten hin zu Kriegen enden. Ja, auch weil viele der europäischen Politik zu blauäugig gegenüberstehen. Was ist letztlich die Globalisierung, um die man doch so kämpft und die Vorteile noch und nöcher vorbringt, wert, wenn man sie letztendlich mittels (Atom)Waffen oder angesprochener nötiger Drohungen durchsetzen und aufrecht erhalten müsste? Es doch schlußendlich kaum Gewinner gibt. Doch aber nur weil unser ständiges Konkurrenzdenken eine angemessene Kooperation mit einer gesunden Zufriedenheit unmöglich macht, allerdings letztlich Gewalt (scheinbar) nötig macht. Politik ist eine Diktatur eines jeden Individuum gegenüber, weil viele die Überzeugungen dieser Politik aufgrund von schlichten Interessen oder Annahmen ablehnen.

Marcel L.

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2 Kommentare

  1. Ganze 26 Jahre musste ich nun warten bis die Menschen in Deutschland „anfangen“ zu verstehen was und welches Leid in ihrem Namen und mit ihren Steuergeldern auf diesem Planeten angerichtet wird.
    „Der innere Frieden als positive Seite dieser Politik“?
    Sorry Marcel, auch wenn mir dieser Beitrag wie Öl die Kehle runter geht und mir etwas Hoffnung auf zukünftige Änderungen in diesem Land gibt, muss ich dich bitte noch einmal darüber nachzudenken wie viele andere Länder und ihre dort lebenden Menschen dafür mit ihrer Existenz, mit dem Verlust ihres Friedens, mit dem Verlust ihrer Heimat und nicht zuletzt mit dem Verlust ihrer Freiheit und oft auch ihres Lebens dafür bezhalen mussten, oder ist das in deinen Augen wirklich den Preis für den eigenen frieden Wert so viel Leid über andere Mitmenschen zu bringen?
    Deutschland und seine Bürger wurden im zweiten Weltkrieg „umfunktioniert“ und dass Spiel läuft heute noch ganz gut für die Strippenzieher im Hintergrund wie man an dem sehen kann an was sich ihre Politclone alles beteiligen und was sie im Stande sind ihrem eigenem Volk anzutun!
    Als ich 1991 als Soldat der jugoslawischen Volksarmee feststellen musst dass der Zerfall und der sogenannte „Bürgerkrieg“ nicht aufzuhalten und komplett „Fremdgesteuert“ waren und zudem auch noch das Land in dem ich seit dem 6 Lebensjahr lebe, der größte Strippenzieher und Anheizer von Mord und Totschlang in Jugoslawien waren, habe ich mir aus Respekt vor all den Opfern dieser grausamen Welt/ Europa- Politik, geschworen niemals darüber zu schweigen oder jemanden vor meinen Augen den Tod vieler Mitmenschen für politische Ideale zu rechtfertigen oder gar gutzuheißen, wie leider viel zu oft schon geschehen.
    Für meine Freiheit, für mein Wohlergehen, für meinen Glauben muss niemand sterben oder leiden außer ich wenn ich nach mehr streben sollte, ansonsten ist der Frieden oberstes Gebot in meinem Leben und ich hoffe von genzem Herzen dass sich die Menschheit eines Tages auch zu diesem Ziel weiterentwickeln wird.
    Zu den Politclonen die sie uns in den letzen Jahren vorsetzen, egal welche Parteien oder Ziele wir wählen die sie anscheinend uns anbieten, muss ich eine Sache noch los werden. Als ich vor 4 Jahren zur letzten Bundeswahl- Farce einen kleinen Meinungsaustausch über diese Politmarionetten mit fest eingefleischtem Wahlfieh hatte, sagte ich allen voraus dass der Kopierweltmeister von Gutenberg eines nicht so fernen Tages die Nachfolge „Muttis“ antreten wird. Keiner konnte sich ein überhebliches Lachen und Abwinken unterdrücken und alle meinten nur dass dieser Clone der Weltfinanz nie wieder auf der politischen Bühne erscheinen wird. Nie wieder? Wie sieht und hört es sich jetz auf einmal an, nach dem 6 Jährigen „Feinschliff“ an den Elite- Uni`s der Besatzer und Gesetzemacher hier im Land, der USA?
    Fast alles ist anhand dessen was unsere Mitmenschen Glauben und von sich geben im Vorfeld zu erkennen und wenn man auch noch wie ich durch das Schicksal Zeitzeuge dieser Manipulation und der Existenz der Matrix geworden ist, und das schon vor über 25 Jahren, dann kann ich Menschen wie dich nur bitten niemals damit aufzuhören deine Mitmenschen mit der Realität zu konfrontieren denn dass ist die einzige wirksame Waffe die wir gegen das System haben.
    Ich hoffe dass du meine Kritik an diesem einem Punkt nicht zu persönlich nimmst und dich in die Opfer der deutschen Politik versetzen kannst um zu erkennen dass innerer Frieden nicht mit dem Leid anderer zu rechtfertigen ist, es ist genau anders herum. Wenn es meinen Mitmenschen um mich herum schlecht oder an ihre Existenz geht, kann es mir als Emphaten auch nicht gut gehen.
    LG an alle!

    • Leider hast du nicht genau zitiert auf welche Passage oder Worte du genau hinaus willst, aber ich gehe davon aus auf die „Flüchtlingsquoten“.(?) Das sollte aber nur nebensächlich erwähnt sein. Meine Haltung dem gegenüber ist relativ neutral, doch will ich mir einen egoistischen Schuh nicht anziehen. Ich lebe nicht über meine Verhältnisse und achte stark auf mein Umfeld, die Umwelt, meine Mitmenschen. Selbstverständlich geht es mir von den von dir angesprochenen Gesichtspunkten gut, aber ich verhalte mich auch so, das ich mir das moralisch zugestehe. Ich habe schon mal geschrieben, ich erwarte lediglich, daß jeder seine eigenen Radius einhält, d.h. niemand anderen Schaden in jeglicher Hinsicht zufügt. Um mehr sollte es nicht gehen. Da alles politisch gesteuert ist, ist es auch alles andere als ein natürlich und gegebener Prozess. Genau da liegen doch die Probleme. Es geht keiner angemessenen Entwicklung voraus. Quoten hin oder her, darum geht es doch letztendlich nicht. Das Problem ist, dass auf allen Seiten die Menschen die Probleme nicht erkennen, vor allem die politischen. Und das macht doch die Lage erst so bedrohlich. Eine Welt in der sich alle in den Armen liegen ist eine Illusion, dazu ist das Bewusstsein und die Intelligenz der Menschen zu minderentwickelt. Ohne staatliche Herrschaften müssten wir uns über diese Problematik gar nicht unterhalten. Dennoch vielen Dank für deine unermüdlichen Worte.

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