Die ÄrzteZeitung auf Bildniveau

Über einen Youtube-Channel bin ich auf einen recht interessanten, um nicht doch zu sagen abstrusen Artikel in der sog. „ÄrzteZeitung“ gestoßen. Nun muss man im voraus sagen, dass dieses Medium vor allem bereitgehalten wird für Allgemeinmediziner, Praktiker und niedergelassene Internisten, was sie zu einer sog. Fachzeitschrift deklarieren könnte. Ja wären da nicht Artikel und Wortphrasen zu finden, die man sonst nur von der „Blöd-Zeitung“ gewöhnt ist und eigentlich nur wenig Substanz und Wahrheit aufweisen, als das sie im Grunde ein weiteres Mal die Medizin teilweise fragwürdig darstellen lässt. Diese Menschen, die hier ihre Meinungen kundtun, Verallgemeinerungen auf ausgewählte Sonder- und Einzelfälle stützen, denn mehr sind sie nicht, verfälschen völlig den Blick auf die Wissenschaft, stellen diese im Grunde in ein schlechtes Licht. Das völlig unzurecht. In den hier beschriebenen Fall kann man nicht mal mehr Spiegel-Niveau unterstellen. Die Basis scheint einen ausschließlich meinungsbildenden, einseitigen Charakter zu haben und keine wissenschaftlich, objektives Ziel seine Leser zu unterrichten. Von einer Gruppe von Akademikern, denen man seine Gesundheit anvertraut, kann man normalerweise schon etwas anderes erwarten. Aber wie beschrieben, es gibt auch andere, die zurecht den Namen Arzt oder Mediziner tragen, was im guten Glaube die Mehrheit sein dürfte. Hier wird beispielsweise oft von Psychiater gesprochen, was aber eher andere Hintergründe haben dürfte. Nur, der Glauben an die Ärzte ist ebenso oft eine Religion, wie es der bekämpften Zielgruppe in dem Artikel unterstellt wird. Und eben da liegt der Schlüssel, was sie gepaart mit nur diesem einen Artikel, mehr werde ich dort nicht lesen, zu einem unglaubwürdigen, ja fast schon Propagandablättchen macht. Sie entspringt dem Medienimperium des Springerverlages, der vermeintlich Meinungen macht. Interessant in diesem Hinblick scheint auch die Tatsache zu sein, daß laut studierter Ärzte die Ernährungswissenschaft in einem Medizinstudium gar keine große Rolle spielt, es wird im Grunde nicht behandelt. Trotz dessen nutzen einige ihren allgemeinen Ärztetitel, um die Gesellschaft in ihren Ernährungsweisen zu bevomunden.

Nun heißt es in dem angesprochenen Artikel „Vegane Kost als Ersatzreligion, Radikalisierung der Ernährung schreitet munter voran“. Gleich der einleitende Satz unterstellt Menschen, die sich eine vegane Ernährung zur Lebensweise gemacht haben, eine Essstörung, die mit „religiösen Eifer“ betrieben werden soll. Nun, diesen religiösen Eifer, der hier frech und denunzierend unterstellt wird, widerlegt schon vor allem die Tatsache, das es für die meisten Vegetarier/Veganer keine alleinige Frage der gesunden Ernährung ist, sondern dass für die meisten an erster Stelle dieser Reaktion und Veränderung steht, das unendliche Tierleid zu vermeiden und zu bekämpfen, das mit der heutigen Massentierhaltung einhergeht. Es ist einmal grundsätzlich die enorme Emphatie gegenüber den tierischen Lebewesen an sich, die die Meisten dazu bewegt auf tierische Lebensmittel zu verzichten. Jene Empathie, die einer fälschlicherweise als „modern“ bezeichneten Gesellschaft in seiner Gänze fehlt.

Nun im Fortlauf des Artikels werden Einzelbeispiele angeführt, die auf die gesamte Gruppe von „Essgestörten“ heruntergebrochen wird, ohne Relativierung. Richtig ist zwar herausgestellt, dass es ein Problem einzig mit der Vitamin B12 Versorgung geben kann, dies ist aber völlig falsch dargestellt. Das es auch hauptsächlich ein Problem beim Fleischkonsum hinsichtliche B12 geben kann, wird völlig übergangen. Anders als es hier zum Ausdruck kommt, wissen die Veganer wohl sehr gut über Probleme in der Ernährung bescheid und sind sensibilisiert, die es im Übrigen in jeder Ernährungsweise gibt, bloß dort beschäftigt man sich dagegen relativierter mit Problemen falscher oder mangelnder Nährstoffaufnahme. Denn dahingehend widerspricht sich der Artikel in sich. Einmal wird gemeint, das die gesunde Lebensweise über allem steht, plötzlich sollen aber Veganer liederlich in ihrer Nährstoffaufnahme sein, die nun besonders wichtig für den menschlichen Organismus ist. Außerdem spitzt man im Artikel die Probleme zu, indem man die Gefahr auf die gesamten B-Vitamine richtet, das ebenso absurd wie völlig falsch ist. Mein Eindruck ist hingegen, dass die überwiegende Anzahl der Veganer sehr darauf achtet B12 zu sich zu nehmen, sei es nun durch Wildkräuter oder andere nachgewiesene B12 Versorger oder doch tatsächlich durch Supplemente. Schon das Angebot hierhingehend ist riesig und wird auch angenommen, auch durch die teilweise Überspitzung dieses Problems. Ohne Nachfrage immerhin kein Angebot, da man Profite machen will. Bei entsprechender Auswahl der veganen, pflanzlichen Ernährung kann es sogar unnötig sein B12 zu supplementieren. Beispielsweise wenn man Kräuter und Gemüse/Pflanzensorten zu sich nimmt, die rein in der Natur vorkommen und auf humusreichen Böden wachsen, damit man die Bodenbakterien gleichzeitig aufnimmt, die das B12 transportieren. Es wurde auch nachgewiesen, das die Bodenbaktierien sich nicht allein auf der Wurzel befinden, sondern diese direkt besiedeln. Die Reinigungsmethoden in der industriellen Nahrungsmittelherstellung sind dahingehend prinzipiell ein Problem. Wer sich natürliche B12 Versorger sucht, wird auch weniger Probleme haben an Mangelerscheinungen zu leiden, doch schwierig ist das nun nicht unbedingt.

Immer wieder wird im Artikel gegen die vegane Ernährungsform mit Hilfe von Extremen propagiert. So lässt man unterschwellig erklingen, das der Veganismus ein „Wahn“ sei oder ein Zeichen des nach außen Tragens eines starken Egos. Und freilich, veganer essen eben häufig Ersatzprodukte, die ihnen Fleisch oder Käse suggerieren sollen. Völliger Blödsinn. In gewisser Hinsicht mögen an diesen Vorurteilen Veganer die Mitschuld tragen, warum muss man auch teilweise Gerichte kreieren, die in seinem Aussehen und seiner Form den Fleischprodukten ebenbürdig sein sollen. Nun ist das aber auch eine Auswuchs des Status Quo bisher, gesellschaftliche Normen und antrainierte Bilder über viele Dekaden. Diese gilt es aber erst zu überwinden, eine derartige Entwicklung wird folglich zwangsweise möglich sein. Aber wenn man schon kritisiert, dass viele vegetarische Fertigprodukte mit Geschmacksverstärkern etc. zu einem vermeintlichen Wurstprodukt verändert wurden, muss man ehrlicherweise auch hinzufügen, dass im Supermarkt generell ziemlich wenig auf Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe verzichtet wird, was dem eigentlichen Geschmack des Produktes, wie es in der Natur vorkommt, grundlegend auch verfälscht. Der am häufigsten verwendete Zusatzstoff mag dahingehend mitunter Zucker oder Zuckerersatz sein.

Selbstverständlich darf das Argument auch nicht fehlen, eine vegane Ernährung sei teuer. Vegane Ernährung wird viel zu oft mit horenden Luxus verglichen, was total abseits der Realität ist. Nun was will man damit erreichen? Das die Menschen auch weiterhin Fleisch zu Billigstpreisen kaufen, bei dem das katastrophale Tierleid noch vollumfänglich mit Steuergelder durch die Regierungen subventioniert wird, nur um über die ausländische Konkurrenz zu siegen, gegen Entwicklungsländer zu konkurrieren und dennoch Millionen von Gewinnen zu machen? Ein Blick hinter diese Strategie müsste genügen, um der Billigmentalität den Rücken zu kehren, ja vielleicht sogar nur einmal in der Woche Fleisch zu konsumieren. Vielleicht aber auch gar nicht mehr, denn mit bisherigen Ernährungsformen wird es nur schwer sein die ganze Welt satt zu bekommen. Vor allem schon wenn ein Großteil der Ackerflächen und Waldrodungen etc. allein für die Ernährung der Tiere bereitgehalten werden müssen, die man in der Massentierhaltung heranzüchtet. Von dem enormen Verbrauch an Wasser und der Umweltbelastung durch Tonnen von Gülle gar nicht zu sprechen. Unter diesen Gesichtspunkten ist es absurd den „Umdenkern“ in eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise ihre positiven Veränderungen abzusprechen oder diese noch gesellschaftlich überaus bloßstellen zu wollen.

Der Hauptbestandteil einer veganen/vegetarischen Ernährung sollten Kartoffeln und Nudeln sein. Diese sind überhaupt nicht teuer und schon immer Bestandteil des Essens gewesen. Nun rücken eben die Beilagen mehr in den Vordergrund. Das Argument des Preises zieht einfach nicht und wird ausschließlich herausgestellt mit Hilfe extravaganten Gerichten, die es auf beiden Seiten gibt.

Zum Schluss dann noch ein „psychiatrisches Gutachten“ zum Veganismus und der Artikel ist ein perfektes Propagandainstrument gegen diese Ernährungsformen. Da bleibt mir nur noch auf die Kommentare zu verweisen, die ja nun teilweise schon glücklicherweise anschließend viele derer idiotischen Weltanschauung widerlegen. Wer selber denkt widerlegt schon beim Lesen dieses Muster. Profiteure und Interessen wird es dahingehend immer geben, die vor allem eine Lobby vertreten, jene die die Aussicht auf Wohlstand stellen. Tatsächlich überwiegen aus objektiver Sicht die Argumente weniger oder kein Fleisch zu konsumieren. Schon allein des Leides an sensiblen Lebewesen wegen. Die Entscheidung trifft aber letztlich jeder selber, doch all zu oft ist es auch eine Entscheidung über das Zugeständnis an die Tiere, leben ohne Schmerzen und Leid zu dürfen. Den Willen, den im Grunde jeder Mensch besitzt, aber dem man Tieren in der Massentierhaltung nicht zugesteht. Nun ja, es ist EGOISMUS der den Menschen in allen was er macht antreibt. Hoffentlich wird es irgendwann mal anders.

Marcel L.

Link: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/954963/radikalisierung-ernaehrung-vegane-kost-ersatzreligion.html?sh=9&h=-508186657

2 Comments

  1. bei solchen Propagandaartikeln ist es wie im gesamten Leben, man muss genau das Gegenteil denken von dem was „erklärt“ wird.
    Außerdem soll etwas verschwiegen werden.
    Generell ist der Mensch lt. Wissenschaft Allesfresser und kommt auch ohne Fleisch voll zurecht.
    Fleisch besteht aus Proteinen wie auch in Erbsen, Bohnen, Raps, Lupinen, Soja, Nüsse, Öle, Pilze (Sienpilz sehr hochwertiges Eiweiss), glutenhaltigem Getreide u.a.
    Und auch in Kartoffeln sind Proteine

    Bsp. zu den B Vitaminen: B1 ausreichen in einer Banane.. 2 Kartoffeln pro Tag decken den B6 Bedarf, B12 in fermentierten Lebensmitteln wie Bspw. Sauerkraut

  2. Die „Ärzte-Zeitung“ ist in der Tat eine –„so genannte“– Ärzte-Zeitung.
    Dass der Herausgeber ein Springer-Verlag ist, war richtig recherchiert. Es handelt sich hier allerdings um den Heidelberger Springer-Verlag. Dieser allerdings gehört zum Bertelsmann-Konzern. Der wiederum propagiert die Fortführung des neoliberalen Angriffs auf das Gesundheitssystem. Insoweit liegt die Ärzte-Zeitung auch nicht auf der Interessenlinie der niedergelassenen Ärzte (=Mittelständische Betriebe, bestensfalls). Der Bertelsmann-Vlg. propagiert die weitere Kommerzialisierung des Heilwesens, den Primat des Big-Data-Prinzips und die Verdrängung der mittelständischen Strukturen im Gesundheitswesen zugunsten von Konzernstrukturen. Insweit ist die -so genannte(!)- „Ärzte-Zeitung“ in meinen Augen auch keine Fachzeitschrift sondern ein unerträgliches Propaganda-Organ.

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