Die Fronleichnamprozession im Zeichen eines völlig falschen Glaubensbild

Ich habe lange Zeit in einem kleinen Ort in einem katholisch geprägten Gebiet gewohnt, in dem man den Anschluss an die Fronleichnamprozession merkwürdigerweise mit einem Schlachtfest unter dem christlichen Kreuz in der ortsansässigen Wirtschaft beging. Zahlreiche Leute aus der näheren und ferneren Region waren jährlich anwesend. Der Glaube stellt aber scheinbar an derart Orten, das wird mit Sicherheit nicht der einzige sein, reine Makulatur dar. Vieler derer sind eben nicht in der Lage, die Geschichte richtig zu verstehen. Einige der Religionsführer haben aus dieser Geschichte einen perversen Opferkult gestrickt.

Noch immer hält sich der feste Glaube in jeglicher christlichen Glaubensauslegung, Jesus Christus sei einen Opfertod gestorben, um als Heilsbringer die Menschen von ihren Sünden zu befreien. Nun ist das aber die Unwahrscheinlichste aller Möglichkeiten dieses gewaltsamen Todes eines der bedeutendsten Rebellen der damaligen Zeit. Im römischen Reich war die Kreuzigung die politische Strafe für die Rebellion gegen das Herrschertum. Gekreuzigt wurden vor allem aufständige Sklaven und andere, die sich nicht der fremden Herrschaft und der Willkür beugten. Die römischen Kaiser und Statthalter wollten mit der Kreuzigung den (ihren) inneren und äußeren „Frieden“ wahren und damit natürlich ihre Macht behalten. Deshalb hat man auch willfährig den Forderungen der jüdischen Priester Folge geleistet, deren Wille es fordergründig schien Jesus ans Kreuz genagelt zu sehen. Die Kreuzigung galt also ebenfalls als Abschreckung gegen die politischen Feinde der oberen Kaste, was dem Leiden und dem Tod Jesus Christus durch Kreuzigung am nähesten kommen dürfte. Vor allem die jüdische Priesterkaste sahen damals durch derart Aufständige ihre Pfründer in Gefahr. Beispielweise ist der Zins ein Thema, der schon damals hohe Wellen schlug. So waren vor allem sie die „Stimme“ des Volkes, dass für die Kreuzigung des jungen Jesus plädierten. Bis heute hält sich mitunter die Meinung, das Volk hätte es gewollt. Sollte dem so gewesen sein, ist es wahrscheinlich mit heutigen Feindbildern zu vergleichen. Doch blieb wahrscheinlich den meisten derer gar nichts anderes übrig, als den Statthaltern und Priestern, die eine hohe Stellung schon damals einnahmen, nicht zu widersprechen. Aus Sorge um die eigene Unversehrtheit. So war die Kreuzigung als Demütigung des Verurteilten angedacht und als Abschreckung des Betrachters.

Wie also kann man heute den Tod Jesus Christus in diesem Ausmaß feiern, kirchliche Prozessionen durchführen, immer vor den Bild eines gedehmütigten und gekreuzigten Jesus Christus durch die damaligen Kaiser und Statthalter. Denn nicht der auferstandene Jesus hängt in sämtlichen Kirchen, Rathäusern und Glaubensstätten, sondern der qualvoll gekreuzigte Jesus, der weder Krieg noch Gewalt im Sinn hatte. Das die christliche Kirche auch noch ca. 2000 Jahre daran erbittert festhält, wo nun noch mehr Kreuze an öffentlichen Orten ausgehängt werden sollen, kann nur als Hohn für jegliche freiheitliche und gesellschaftliche Anstrengung eines Jesus Christus gewertet werden. Das Kreuz ist damit ein Symbol einer frühchristlichen Tyrannei der damaligen Herrscher gegen jegliche Ambitionen sich dagegen zu wehren und wird durch die Kirche bis heute beibehalten. Es wird eben nicht unter diesem Symbol auf die gesellschaftlichen und politischen Missstände hingewiesen, die damals, wie auch heute zahlreich vorherrschen, an der ja nun die Kirche großen Einfluss innehat und mit staatlicher Hilfe ihre Statuten auch weiterhin sichert. So ist auch heute noch die römische/christliche Kirche eine der einflussreichsten und wohlhabendsten Institutionen durch staatliche Korruption.

Wie aber konnte Jesus überhaupt zu einer Gründungsfigur einer der größten Religionen der Welt werden, die dann im Gegensatz zu seinem Verständnis für die weltlichen Zustände auch noch so verfälscht wurde? Der ganze kirchliche Prunk im Christentum, die Kriege der jüdisch/christlichen Länder und die untergrabenen Völker können absolut nicht im Interesse Jesus sein, wogegen aber von der späteren christlichen Kirche in seiner Gänze nicht vorgegangen wird, als mehr noch ermutigt. Religionen sind von oben herab ausschließlich Mittel für den (eigenen) Zweck. Die Kirche ist die unehrlichste Institution neben dem Staat, daraufhin sollte das überlieferte durch die Kirche geprüft werden. Wasser predigen und Wein saufen.

Im übrigen bestand das letzte Abendmahl, das an Fronleichnam gefeiert wird, da die Feierlichkeiten der Erklärung her für den Gründonnerstag nicht angemessen und zu laut sind, aus Brot und Wein und huldigte keinerlei Opferkult, so wie es die Gesellschaft augenscheinlich heute bei vielen christlichen Festen oder anderer Feierlichkeiten prägt. Das ist erst eines dieser Dinge, die sich die Gesellschaft in seiner vollen Perversion über die Jahrhunderte erfolgreich anerziehen hat lassen, ohne den Sinn und Ursprung auch nur im Geringsten zu hinterfragen.

Marcel L.

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