Digitalisierung hat zwei Seiten

Mit allen bezeichnenden Vorzügen der Digitalisierung, steigt auch die Gefahr des massenhaften, digitalen Datenmissbrauchs. Eben das sollte bei aller Euphorie für Zukunftstechnologien auch bedacht sein, denn letztlich sollte jeder selbst Sorge dafür tragen, seine persönlichen Daten über Geldgeschäfte, Kontoführung bis hin zum Internetauftritt oder sogar Fahrzeugsteuerung geschützt zu wissen. Wenn dies mit persönlichen und individuellen Einschätzung nicht vereinbart werden kann, ist es nur legitim, sich auch persönlich dem gesellschaftlichen Aufbruch in ein neues Zeitalter zu verschließen, gegebenenfalls Dinge abzulehnen ohne dafür grundlegend verurteilt bzw. zum Gegenteil verpflichtet zu werden. Es sollte jedem frei stehen, sich seiner persönlichen Entfaltung nach, auch freie Entscheidungen zu treffen, ohne Zwänge durch die Gesellschaft oder staatliche Strukturen erleiden zu müssen. Vor allem das Vertrauen in staatliche Institutionen ist bei vielen an dieser Stelle doch sehr begrenzt, da es nun auch dieser seit Jahren ist, der seine Bürger mit Hilfe von staatlichen Organisationen wie Verfassungsschutz oder Geheimdiensten, aber auch privaten Unternehmen, flächendeckend kontrolliert und ausspioniert. Über das Ausmaß dessen, wie oft die staatliche Politik in die Privatsphäre seiner Bürger heute schon Einsicht erlangt, kann nur spekuliert werden, unterschätzen darf man aber vieles sicher nicht. Verdachtsmomente einer Straftat sind nicht immer gerechtfertigt und mit steigenden Möglichkeiten, daraus immer mehr Macht, steigt eben mehrfach die Gefahr dies zum eigenem Zweck auszunutzen und Grundlagen stetig zu entfremden. Unterdessen wurde dahingehend flächendeckende Überwachung in den letzten Monaten schon legalisiert und über grundlegende Verschärfungen wird darüber hinaus hinter vorgehaltener Hand nachgedacht. Der Großteil der Bevölkerung steht auch darüber im Dunkeln. Über die herbei propagierte Gefahr des internationalen Terrorismus, die mit dem 11. September ins Leben gerufen wurde, heute genau vor 16 Jahren, braucht man sich an dieser Stelle eher nicht zu erklären. Sie ist schlicht ein Mittel zum Zweck für zahlreiche staatliche Eingriffe und Rechtsbrüche des vorherrschenden Systems. Analysiert man die systemischen Gegebenheiten genauer, ist von Seiten der Politik vieles dessen, was täglich durch Presselandschaft geht, überaus berechenbar. Man registriert das politische Kalkül. So werden derart Themen aus dem Bundestagswahlkampf völlig außen vor gelassen, aus Angst seine Macht aufgrund von tatsächlich unzufriedener Wählerschaft zu verlieren. Gerade diese Beobachtung sollte doch ein enorm großes Misstrauen der etablierten Politik entgegenbringen, Wahllokale eher zu meiden, als wieder und wieder auf die selben Floskeln hereinzufallen. Es ist bekannt, dass die FDP als vorgeblich liberale Partei die Ablehnung zur Abschaffung des Bargeldes in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat, doch welchen Wert diese Worte haben, mag man nur schwer beurteilen können.

Eine Menge der heute realisierten Gewohnheiten sind schon kurz nach dem Eingang in das digitale Zeitalter schon überaus bequem und kaum mehr wegzudenken aus dem privaten und öffentlichen Lebensraum. Doch sind ebenfalls die Gefahren groß unter völlige Kontrolle zu geraten oder durch einen Angriff digitaler Werte beraubt zu werden. Die Gleichgültigkeit bezüglich der angebrachten Gefahren und Risiken mag die Mehrheit der Bürger in sich tragen. Es mag auch vieles (noch) ein Stück weit entfernt, ja sogar übertrieben sein, doch rechtfertigt das keinesfalls die Tatsache, die Sorgen und auch die Ablehnung der Menschen zu übergehen und zu ignorieren, die sich damit tatsächlich ihrer Grundbedürfnisse beraubt wüssten. Schon oft wurde an dieser Stelle über die Einschränkung des Bargelds in Indien berichtet, wo die Regierung die Digitalisierung des Bezahlens auch dahingehend nutzt, Steuern und Abgaben von den Menschen einzufordern und eine großangelegt Datenbank zu formieren. Auch Kreditkartenunternehmen und Bankhäuser erkennen den großen Reibach darin. Die Bankenlobby bestimmt seit Jahrzehnten die Politik in einem hohen Maße. Die Umverteilung über die sich doch ein paar mehr Menschen beklagen, hält damit unweigerlich an.

Physisches Geld ist in einem gewissen Maß Freiheit. Es ist nur mehr eine Eingenommenheit von sich selbst, wenn Anhänger des digitalen Bezahlens über alle Köpfe hinweg entscheiden und für andere dem Bargeld als Bezahlmethode keinen Wert beimessen wollen. Dieser Egoismus gepaart mit grenzenloser Naivität staatlicher Willkür gegenüber darf nicht sein. Wobei behauptet werden darf, dass für den Anhänger des digitalen Zahlens keine Nachteile entstehen, wenn die Möglichkeit weiterhin besteht, physisches Geld zu nutzen. Freilich kann der Staat auch physische Geld entwerten, dagegen ist man nicht befreit, doch auch dann wird es Möglichkeiten geben können, dass Menschen mit Hilfe physischen Geld(Waren-)wertes untereinander handeln. Es reicht ein Stück Papier mit einer Zahl darauf, das der Geschäftspartner annimmt oder nicht, vorausgesetzt er findet einen dritten, der wiederum das Papier akzeptiert. Nicht anders funktioniert das staatliche Geldmonopol auch. Es beruht nur auf den Glauben und das Vertrauen in den Staat als Stabilisator des Geldwertes. Einzig die Globalisierung zwingt zur Gleichmacherei weltweit, was wiederum den Missbrauch unterstützt und befördert.

In den USA kam nun heraus, dass Hacker 143 Millionen Kreditkartendaten erbeutet haben. Diese Daten beinhalten Sozialversicherungsnummern, Kreditkartennummer oder auch Führerscheinnummern. Ein Missbrauch der Einkommenssteuererklärung scheint auch möglich, was letztendlich einen finanziellen Schaden für jeden Betroffenen nach sich ziehen kann. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, sollen 3 der führenden Kräfte des Unternehmens vor Bekanntwerden der Öffentlichkeit des Datendiebstahls ihre 2 Millionen Aktien des Unternehmens an der Börse verkauft haben.

Marcel L.

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