Eine Prise vom Nationalismus

Das Referendum in Spanien bringt natürlich auch Stimmen hervor, die den Katalanen blinden Egoismus und vor allem auch sturen Nationalismus vorwerfen. In der Tat hat diese Haltung schon gravierende Probleme in der Vergangenheit hervorgebracht, doch kann man nicht einfach davon absehen, die Entwicklungen im Vorfeld zu betrachten. Auch wird dieser all zu oft gezielt kalkuliert manipuliert und gesteuert eingesetzt. Ebenso verwerflich wie fremden Menschen mit anderer Nationalität, Hautfarbe oder Sprache einem blinden und stumpfen Hass entgegenzubringen, ist es aber einfachen Menschen mit individuellen Bedürfnissen und grundlegenden Ängsten und Bedenken diese Charaktereigenschaften unbegründet anzuheften. Hier wiederum geht’s nicht darum Grenzen zu ziehen, sondern eine Politik abzulehnen. In einem Referendum für eine Unabhängigkeit von einem Hegemon bzw. Unterdrücker zu sein, das es so ist wird gerade jetzt überaus deutlich, sagt noch längst wenig über den Menschen an sich aus. Menschen entziehen sich vor allem der Öffentlichkeit, wenn sie das Gefühl haben nicht gehört zu werden, Nachteile für sich selbst zu erwarten. Das scheint vor allem in der fortschreitenden Globalisierung offenkundig. Außerdem wird der Nationalismus permanent als brutal und überaus verwerflich, ja sogar menschenfeindlich dargestellt. Im Grunde mag Gegenteiliges ebenso stimmen, denn darf man es nicht mit dem vorherrschenden Imperialismus verwechseln. Kann nicht auch eine auf Regionalität bedachte Gesellschaft eine Menschlichkeit wiederbringen, die sie in Zeiten anhaltender Globalisierung verloren hat? Wenn jeder erstmal ein Stück weit nur auf sein direktes Umfeld achtet, ist allen auch schon geholfen. Gerade die zwangsverordnete Globalisierung samt der Unterdrückung individueller Interessen und Bedürfnisse spielen dabei eine überragend große Rolle. Jene Globalisierung, die freilich vor allem durch die Konzerne erkämpft werden will, die aber mit Hilfe staatlicher Systemträger nicht in der Form möglich wäre. Kein Unternehmen hätte letztendlich die Macht den Weltmarkt eigenständig zu diktieren. Diejenigen, die permanent nach staatlicher Stärke schreien, sollten sich bewusst sein, daß sie einem Diktat der Politik nur schwer entkommen können, letztlich ist es unmöglich. Staatliche Willkür wird somit beflügelt. Problematisch ist vor allem auch die Art und Weise, wie man ein derartiges globalistisches System in die Gesellschaft implementiert. Gerade das missfällt vielen Menschen grundlegend.

Jemand der darüber hinaus auf die Kosten für einen unabhängigen Staat anspielt, ist grundlegend nicht in der Lage Kritik an den vorherrschenden staatlichen Gegebenheiten zu erkennen. Denn das ist kein Problem von Abspaltung oder Unabhängigkeit, sondern gerade ein grundsätzlich verkanntes Problem. Je größer sich der Apparat darstellt, um so ineffizient und geprägt von Verschwendung ist auch die Haushaltsführung. Gerade ein Imperialismus, wie ihn die USA/EU anstrebt, ist geradewegs unbezahlbar. Die staatlichen Apparate wuchern, ebenso im Ausland, was aber die Globalisierung und deren internationale Interessen erst nötig und möglich gemacht hat. Ferner ist die bessere Kontrolle des Staatshaushalts bei kleineren Einheiten schon vorteilhaft politischer Veruntreuung und Misswirtschaft entgegenzuwirken.

Nun ja, das Militär. Braucht ein Staat in der Größe Kataloniens tatsächlich ein Militär? Wobei eben das auch noch die meisten Gelder verschwendet. Vorausgesetzt die Staaten bzw. anderen Regionalverwaltungen wären ähnlich in ihrer Größe und Beschaffenheit, reicht zu Verteidigung eine starke Gesellschaft und eine herkömmliche Polizei. Wir brauchen endlich eine Gesellschaft, die geradewegs unambitioniert ist, anderen etwas ungerechtfertigt wegzunehmen, wie es der Staat permanent betreibt. Den Willen, für die eigenen Rechte und Verteidigung einzustehen, macht keine Worte an der Stelle nötig. Darüber hinaus würde ein Bewusstsein auf die eigenen Werte kein Militär benötigen. Die staatliche Ausdehnung ist nie im Sinne der Gesellschaft. Wenn man sich daß vor Augen führt, wird die Diskussion über eine starkes Militär obsolet. Sich erstmal dahingehend zu beschäftigen, zeigt aber auch, dass man dem System keine grundlegenden Veränderungen abverlangen will.

Mag sein, dass die Regionalpolitiker ihre eigenen Vorteile daraus ziehen wollen. Sicher geht es auch ums Geld, um Steuern, grundlegend um die Verteilung. Man könnte den Katalanen freilich durchaus auch materialistische Hintergründe vorwerfen, was für viele nicht in dem Maße „ehrenhaft“ wäre, als für Demokratie oder grundlegendste Menschenrechte zu kämpfen. Rechtfertigt das aber wirklich jedem Katalanen einen finanziellen Egoismus vorzuwerfen? Oder ist es einfach nur ein Zeichen, sich endlich gegen die elitäre Politik und den „Geldadel“ durchsetzen zu wollen?

Ähnliche Diskussionen verbreiten sich immerwährend bezüglich des deutschen Länderfinanzausgleich, unter dem sich Bayern benachteiligt fühlt. Freilich muss man auch hervorbringen, das wir in einer Solidargemeinschaft leben sollten, in der nicht die Tüchtigen für die Faulen arbeiten, sondern die Jungen für die Alten, ebenso wie es einst anders herum war. Den Menschen mag es in Bayern nicht schlecht gehen, doch folgt man den politischen Diskurs sich gegeneinander aufzureiben. Letztlich kommt man aber nicht umher sich bewusst der Tatsache zu werden, das die enorme steuerliche Belastung auf die horenden staatlichen Schulden zurückzuführen sind, unter denen nicht mal auch nur im Ansatz darüber nachgedacht wird, die Ausgaben zu reduzieren oder den staatlichen Apparat zu kürzen. Vor allem im militärischen Bereich. Viele fühlen sich in Katalonien benachteiligt, mehrheitlich durch die Regierung in Madrid. Aber gerade das sind doch persönliche Gründe, die ein derart Referendum notwendig machen könnten. Allen voran könnte das Anlass sein, positive Veränderungen hervorzubringen, oder Kompromisse, doch statt dessen entgegnet man dem ausschließlich mit Gewalt.

Letztlich darf kein Referendum einen positiven Ausgang bekommen, denn das würde das einsturzgefährdete europäische Einheitsprojekt gewaltig ins Wackeln bringen. Und zwar mehr als ohnehin schon.

Marcel L.

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