Falsche Kapitalismuskritik

Der Kapitalismus ist letztlich nur so lange bedenklich, wie man die politischen und wirtschaftlichen Gehilfen und Profiteure in der Machtausdehnung fördert. So werden im freien Kapitalismus Wahlen und schließlich Machtstrukturen ausschließlich über den Konsum, das Verhalten und die Gewohnheiten schlechthin entschieden. Eben das sollte doch einen großen Vorteil dahingehend darstellen. Richtig angewendet scheint das effektiver zu sein, als (Wahlen) jedes sozialistische Herrschaftssystem mit einer über den Großteil der Menschen befindende Regierung, die letztlich immer machtbesessen Gesetze und Repressionen erlässt und sich Wohlstand willkürlich aneignet, sowohl die Menschen mittels staatlicher Propaganda und Indoktrination sich ergeben macht und, und das ist wohl das entscheidende, grundlegend korrumpierbar ist. Ohnehin hat man die Entscheidung mit Hilfe von Verzicht das politische System zu beeinflussen. Diese Macht ist aber vielen im Unklaren, es bedingt nicht selten den Verzicht, um Auswüchse gegebenenfalls zu regulieren. Doch der Bürger fürchtet heute lieber um sein System, das ihn letztlich zum Sklaven macht, wenn nicht mehr ausreichend konsumiert wird. So hieß zwar in der Kritik zum Weihnachtsgeschäft, dass 95% der konsumierten Güter zum heiligen Fest völlig unnötig sind, doch da die Panik mitschwimmt, die Wirtschaft, die ja den Wohlstand bringt (???), würde den Verzicht auf diese horende Belastung bezüglich vieler Bereiche nicht standhalten, besteht wohl die moralische Pflicht dahingehend so weiter zu machen wie bisher. Anders herum könnte man auch zum Schluss kommen, dass eben keine moralische Verpflichtung besteht weniger zu konsumieren, trotz der Umweltbelastung, Tierleid, Rohstoffkriegen oder grundlegend Verschwendung lebenswichtiger Ressourcen und Umstände etc. Perverse Verdrehung der Umstände auf unseren Planeten.

Der Staat und die Regierung wiederum braucht sich keiner Konkurrenz zu fürchten, sie haben das alleinige Monopol auf Steuererhebung, -gebrauch (staatlicher Raub) und Gesetzesbeschlüsse. Über den Wohlstand der Staatsoberhäupter bestimmen diese in Eigenregie und unabhängig der gesellschaftlichen bzw. staatlichen Gesamtsituation. Grundlegend unabhängig von Leistung und Zufriedenstellung der Masse. Er (der Staat) entscheidet über übergeordnetes Recht- und Rechtsprechung, legt die Gesetze in seinem Wohlbefinden aus. Aus diesem Grund ist es individuell unmöglich gegen die staatlichen Strukturen gerichtliche Prozesse zu gewinnen, um tatsächlich Recht, so wie es auch im Grundgesetz geschrieben steht, zu erkämpfen. Der Gefahr einer willkürlichen Rechtsprechung, sogar einer Diktatur steht im Grunde keine unabhängige Institution gegenüber. Darüber hinaus nimmt ausschließlich er (der Staat bzw. hier die Regierung) sich das Recht heraus, über Freiheitsentzug oder Maßregelung zu entscheiden. Natürlich meinen die Menschen es sei immer gerechtfertigt, geht man doch auch von einer funktionierenden Justiz aus, was mitunter die Gewaltenteilung vorschreibt. Das eben das keineswegs der Fall zu sein scheint, zeigt die unrechtmäßige Erhebung des Rundfunkbeitrags überaus deutlich, darüber hinaus einige nicht unerhebliche Entscheidung der Rechtsprechung. Es gibt kein Angebot, eine freie Entscheidung dahingehend, sondern mehrheitlich nur ein vom Gesetzgeber verpflichtendes Verhalten sich an einem Regierungskonzept zu beteiligen. Das scheint nur den wenigsten wirklich klar zu sein.

Kapitalismuskritik ja, aber dann bitte verhältnismäßig und nicht mit einer blinden Wut in die totalitäre andere Richtung. Merkwürdigerweise fordern die Kritiker dessen kaum die staatliche Macht in der Form auf ein Minimum zu fixieren, wie es im Grunde den Gesetzmäßigkeiten entsprechen würde. Sind es doch auch Parteien, Politiker und Institutionen, die davon profitieren würden. Viele die gegen das kapitalistische System plärren, haben diese Strukturen in ihrer Grundideologie scheinbar gar nicht verstanden. Es sind in erster Linie Kampfbegriffe geworden, mit Hilfe dessen politische Ideologien begründet und natürlich auch gegen gesprochen werden. Genauso verhält es sich mit dem Neoliberalismus. Liberalismus heißt in erster Linie mal „Frei“, weg von staatlicher Gewalt, hin zu individueller Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Konsens. Dahingehend sollte argumentiert werden. Der Neoliberalismus (entspricht im Grunde nicht liberal) lebt mitunter durch die staatlichen Strukturen, er baut auf den staatlichen Zwang und die staatlichen Vorteile für seiner selbst. Das beste Beispiel derzeit scheint wohl die USA zu sein. Der Begriff des Neoliberalismus ist aber letztlich auch ein Werkzeug um staatliche Zwänge zu etablieren. Der Ruf nach staatlicher Regulierung dahingehend ist in die eine Richtung permanent groß. Von individueller Entscheidungsmacht über Angebot und Nachfrage spricht allerdings in öffentlichen Diskussionen niemand, denn dann wäre gleichermaßen so mancher Posten in Gefahr. Das ist nun Unterscheidungsmerkmal genug, nicht prinzipiell alles in einen Topf zu werfen und gleich ablehnende Reize hervorzurufen, nur wenn man von liberal oder gar einer freien Marktwirtschaft spricht. Die Bezeichnungen hinter den Begriffen waren eben anfangs mal ganz andere.

Zudem halte ich es für grundlegend nicht begründet, dass wenn alle Menschen gleich wären, würde weniger Krieg und Konflikte bestehen. Wie es beispielsweise die sozialistische Agenda/Propaganda eines föderalen EUropa es behauptet, wo es doch genau diese Menschen sind, die permanent Unruhen und Konflikte mit ihren Interessen schaffen. Da die Mehrheit der Menschen tatsächlich ungleich sind, auch grundlegend aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten kommen, wie man da auch immer aufteilen mag, diese dennoch Krieg mit Hilfe von Waffengewalt mehrheitlich ablehnen (würden), ist das wenig schlüssig. Speziell diejenigen, die sich stets gegen eine Mehrklassengesellschaft outen, tragen im Grunde dazu bei, dass diese niemals überwunden wird. Das Jammern ist groß. Der Klassenkampf sowie die Religionskämpfe sind noch immer für die außenstehende Politik am profitabelsten, so dass immerwährend eine Verdrehung der tatsächlichen Umstände stattfindet. Ein profitables Geschäft und ein verlogener Weg seine Interessen zu behaupten, sind die gesellschaftlichen Konflikte und Kriege sowieso nur für relativ wenig Religions- und Staatenlenker dieser Welt. Zieht man diese von den 7 Milliarden Menschen, die derzeit auf diesen Planeten leben ab, sind es dennoch 7 Milliarden, die trotz ihrer Ungleichheit keine Gründe hätte Kriege ganzer Gesellschaften zu beginnen.

Politik abzulehnen heißt mitunter Ideologien über Bord zu werfen. Sich an keinen Rand drängen zu lassen durch falsche Informationen und Propaganda. Dahingehend ist es aber überaus wichtig diese von vornherein zu erkennen und seine eigene Sicht der Dinge dahingehend zu überprüfen. Das Internet lässt heutzutage viele Meinungen zu, die meisten davon letztlich aber als Meinungsmache dienen, von einer ganz bestimmten Seite. Oftmals wird keine Entscheidung zugelassen, da man grundlegend in der Quelle schon meint, sich entscheiden zu müssen. Das trifft überwiegend in heutigen politischen Texten und Veröffentlichungen zu. Ja, es scheint eben nur rechts oder links zu geben, Russlandfeind oder -freund.

An dieser Stelle sind noch ein paar Worte zum letzten Beitrag angebracht. Leider ist den meisten Menschen unbekannt, wie korrumpiert, machtbesessen oder interessengesteuert die Regierungen in so manch anderen Ländern sind. Ja, leider wird das Stigma von den Medien nicht so recht übermittelt. Leider kann man kaum beurteilen, was für „Verbrecher“ andere Staatenlenker sind (Putin, Assad etc.), da die transatlantische Presse bei so manchen Leser ihre Ziele durch die permanente sichtbare Propaganda überzieht und deshalb unglaubwürdig in alles wird. Wer die Macht hat, missbraucht sie auch gut und gern, das eben trifft sicherlich nicht nur auf westliche Regierungen und ihre Schattenregierungen zu. Das sei gewiss. Über die Deutschen sagt man auch, dass das Problem unserer „Existenzien“ sei, zu meinen, sich permanent zwischen einer Seite entscheiden zu müssen. Genau diese Situation öffnet der Manipulation und den falschen Propheten Tür und Tor, ihre Konflikte doch zielsicher zu provozieren und schlussendlich erfolgreich kriegerische Konflikte zu etablieren.

Wieviel Informationsgehalt bringt uns also das Internet zur Zeit noch, abschalten wäre an so manchen Punkt fast besser. Sicherlich viel Diskussionsstoff, aber auf jeden Fall mal Grund darüber nachzudenken.

Marcel L.

5 Comments

  1. »Falsche Kapitalismuskritik«. Was ist falsch und was ist richtig. Was sind Kapitalismus, Sozialismus, Liberalismus und was sind Staat und Politik? Sind dies nicht Gedanken-/ Gesetzkonstruktionen hinter denen sich Menschen mit ihren Interessen »verstecken«?
    Steht dabei Freiheit und Würde im Mittelpunkt? Nein, Willkür und Sklaverei sollen verschleiert werden.

    Seit tausenden von Jahren leben die Menschen in einer Matrix, in der ihnen vorgegaukelt wird, dass die jeweils herrschenden gesellschaftlichen Zustände / Zwänge die besten für sie sind. Die Ungleichheit war immer nur ein vorgeschobenes Phänomen. Es wäre wahrscheinlich zielführender, seinen Blick auf die Ungleichwertigkeit der Menschen und die damit verbundenen uralten Wertekonstruktionen zu richten.
    Wenn sich Menschen tatsächlich aus dieser Matrix befreien wollen, müssen sie von Grund auf neu denken. Wer das nicht will oder kann, wird auch an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern.

    1. Sie haben natürlich recht. Alles Worte die freilich in ihrer Auslegung die unterschiedlichsten Begründungen zulassen und vereinnehmen. Ja diese (vorgeschriebenen) Worte zu benutzen wird uns nicht an das gewünschte Ziel führen, aber es darf die Grundlagen dafür bilden sich über die (Un)Sinnhaftigkeit grundlegend erstmal klar zu werden. Und dafür hat es schon einen (kleinen) positiven Effekt, wie man unter anderen an ihren Worten erkennen darf. Aber danke dafür. Nur leider sind es eben noch viel zu wenige, die die „Matrix“ in dem Umfang hinterfragen. Doch die Welt verändert man nicht von heut auf morgen, dafür sind eben die Strukturen zu sehr manifestiert und auch die Menschen zu unflexible. Es wäre nicht komfortabel. „Von Grund auf neu denken“ wäre zwar äußerst wünschenswert, ist aber sicherlich (noch über Jahrhunderte???) eine Illusion zum Maßstab des heutigen Handelns. Nun ja auch ich habe meine Probleme mit festverklauselten Worten und benutze sie normalerweise äußerst ungern und sparsam. lg Marcel

      1. Transformationen brauchen ihre Zeit. Meine Zustimmung. Aber bevor es dazu kommen kann, müssen entscheidende Fragen gestellt werden. Sie enthalten immer auch einen wesentlichen Teil zur Lösung der Probleme.
        Dass Menschen unflexibel sind, sehe ich nicht nur als Nachteil. (Das »von Grund auf neu denken« bedeutet ebenfalls nicht alles in die Mülltonne der Geschichte zu entsorgen.) Das Problem ist in meinen Augen mehr, dass sie ohne Vision von einem Tag zum anderen leben, in Abhängigkeit davon, was sich »die da oben« für sie ausdenken.
        Flexibel werden Menschen vermutlich, wenn sie sich ausrechnen, dass sie durch Veränderungen ihr persönliches Lebensniveau »verbessern« können. Ängste machen unflexibel. Nehmen wir an, die Menschen hätten eine Aussicht darauf, dass sie keine Steuern und (»Sozial«)Abgaben auf ihre geleistete Tätigkeit zahlen müssten und dass medizinische Versorgung, Bildung, Wohnen und anderes trotzdem nahezu kostenlos sein können. Ich bin davon überzeugt, dass man damit Menschen mobilisieren könnte.
        Das alles ist machbar. Man muss anfangen, humanistisch zu denken, statt ökonomisch. Das Menschsein zum Beruf machen. Dann brauchen Veränderungen auch keine Jahrhunderte.
        Viele Grüße zurück

          1. Staat und Regierung sind das, was Menschen daraus machen. Ohne Menschen sind sie gar nichts. Freie Menschen brauchen niemanden, der ihnen Vorschriften macht und Regeln für sie erfindet.
            Das Problem mit diesen Begriffen ist, dass sich immer Ideologen dahinter verbergen, die wissen, dass die bestehende gesellschaftliche Ordnung (auch die vorherigen) nur hierarchisch denkbar ist. Die gleichen Menschen ge(miss)brauchen auch undefinierte Begriffe wie Volk, Nation, Rechts- und Sozialstaat, Demokratie, Gerechtigkeit … Es hängt damit zusammen, dass Werte ebenfalls nicht definiert sind und von oben nach unten festgelegt werden. Im Gegensatz zu deren Beteuerungen hat die Gesellschaft keine wissenschaftliche Grundlage, sondern beruht auf einem verordneten Glaubenssystem.

            Regionalität und Internationalisierung (statt Superstaat und Globalisierung) und heterarchische Organisationsformen empfinde ich als zukunftsfähig, um den, die Gesellschaft durchtränkenden, Dualismus zu ersetzen.
            Gesellschaft kann man als Summe von Kommunikation verstehen. Alles hängt miteinander zusammen und der Grad des Erfolges oder Misserfolges hängt von der Art und Weise der Kommunikation ab. Die Natur macht es uns Menschen vor.

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