Ist eine Ökonomie ohne staatliche Einflüsse wirklich besser?

Einige Verfechter der freien Marktwirtschaft sind genauso ignorant den gesellschaftlichen und vor allem umweltspezifischen Problemen gegenüber, wie es der Staat seit jeher ist. Nimmt man an, den Staat gebe es nicht und alles ist durch Privateigentum geregelt, muss man schon sehr naiv sein, um anzunehmen, dass ein Großunternehmertum Sorge dafür trägt, die Umwelt auf und um seinen Grundbesitz zu schützen. Anders könnte das bei kleineren Unternehmern sein. Diese Probleme bestehen aber derzeit schon, in dem nicht wenige annehmen, auf seinen Grund könne man ohne Rücksicht Pestizide, Insektizide oder andere Umweltgifte einsetzen wie man will. Das gehe eben niemand anderen etwas an. Nur in den meisten Fällen gehen die Folgen eben über das reine Privateigentum hinaus und beeinflussen andere Gruppen doch stark. Umwelteinflüsse haben keinen streng begrenzten Raum.

Man würde natürlich denken können, dass der Einzelne seine eigenen Mittel und Ressourcen prinzipiell auch für sich selbst zu schützen gewillt ist, doch schon heute ist man doch kaum in der Lage an morgen zu denken und die Risiken dahingehend einzuschätzen, sein eigenes Handeln nicht ausschließlich auf Gewinnmaximierung auszurichten. Und dieses Denken und Handeln fängt nun schon im Kleinen an und der Staat stellt dahingehend nur die Spitze des Eisbergs dar. Freilich ist es heute oft der Fall, dass Umweltkatastrophen und ausgelaugte Ressourcen prinzipiell dem Staat bzw. der Gesellschaft zurückgeben werden. Immer dann, wenn es sich für das Großunternehmertum nicht mehr lohnt. Wenn kein Staat zur Seite springen würde, wäre das wirtschaften vielleicht in vielen Fällen ein anderes. Doch stellt sich tatsächlich die Frage, ob es diesbezüglich denn wirklich besser wäre. Letztlich fehlt die Perspektive auf das wesentliche und nicht nur auf das „Ich“, das wäre ohne Staat wahrscheinlich nicht anders.

Bedenklich sehe ich folgendes gerade auch, da stellt ein Verfechter dieser ökonomischen Strategie eines freien Marktes ohne staatliche Einflüsse seine eigene Freiheit und sein eigenständiges Handeln in den Vordergrund, doch reichen die Ansprüche soweit dennoch über jedes freiheitliebendes Lebewesen auch bestimmen zu wollen. Dieses Verhalten ist äußerst widersprüchlich und geradezu ablehnend.

Der freie Markt predigt Wachstum und das Schaffen von Eigentumsrechten in Bereichen, die bisher vom menschlichen Handeln ausgenommen wurden. Vor allem sind das eben diejenigen, die sowieso schon alles haben und sich um ihr Auskommen keine Sorge machen müssen. Somit wird Wachstum dort gewollt, wo man sich heute schon vor Gütern und sinnlosen Waren kaum mehr retten kann, wo der Wohlstand am größten ist. Eines der größten Probleme dabei ist doch aber, prinzipiell alles, auch jedes Lebewesen ausschließlich als sog. Kapitalwert anzusehen. Die (menschliche) Ökonomie beschäftigt sich vor allem auch mit der Ausbeutung anderer Lebewesen, auch wenn es in der Form nicht mal notwendig ist. Ein Unternehmer investiert ausschließlich, wenn es sich finanziell lohnt, das schützt aber eben nicht grundlegend die Allgemeinheit und bietet grundsätzlich Vorteile. Allenfalls in unseren heutigen System oft nur kurzfristig.

Interessanter dahingehend wird dann schon das Gruppeneigentum, bspw. ganze Dörfer besitzen Berge, Wiesen, Weiden oder Felder, die gemeinsam bewirtschaftet und genutzt werden oder sogar die angesiedelten Tiere beinhalten. Das macht eine gewisse Obhut und eine automatischen Kontrollmechanismus möglich, um Missbrauch und Zerstörung vorzubeugen und gegebenenfalls Sanktionen auszusprechen. Leider ist es zu oft so, dass wenn der Grundbesitz mit seinen Tieren den Staat gehört, die Tiere als „Freiwild“ angesehen werden, die Wilderei auch am größten ist.

Wohlstand geht auf Kosten der Natur. Klar, der Einsatz von Ressourcen ist notwendig, um den Wohlstand zu schaffen, der den Menschen eine angenehmeres Leben ermöglicht. Es ist zwar richtig, dass das Umweltbewusstsein mit steigendem Wohlstand steigt, doch sind dann die Probleme schon allgegenwärtig oder nur in andere Teile der Welt verlagert wurden. Zumeist schafft ein Lösung ein neues Problem. Dennoch sind viele Entwicklungsländer schon auf einen guten Weg und hinken partiell den westlichen Industrieländern in Umweltschutzdingen kaum noch hinterher. So kann man mitunter lesen, das einige afrikanische Länder dem Müllproblem schon enorm entgegenwirken. Jahrelang hat man Kunststoffe und Verpackungen produziert als gäbe es kein Halten mehr, dessen Auswirkungen man sich jetzt langsam bewusst wird. Nun wird angefangen Teile des Konsums in Verbindung mit Kunststoffen zu verbieten. Die EU hat es vorgemacht. Doch wo staatliche Verbote wirken, blüht wiederum ein enormer Schwarzmarkt. Letztlich geht eben alles nur über das menschliche Bewusstsein, sich der Gefahren und negativen Entwicklung klar zu sein. Sich mitunter vom Dogma des dringlichen und notwendigen Wohlstand, wie es die Gesellschaft, die Industrie und der Staat vorgibt zu befreien. Bisher war die Ökonomie davon geprägt, Gewinne aus der Schädigung der Natur zu ziehen, dahingehend mag ein kleiner Wandel sichtbar sein. Doch wird dieser immer erst sichtbar, wenn gewisse Extreme erreicht wurden sind, was die freie Ökonomie als Lösung aller Probleme ebenso ein wenig skeptisch dastehen lässt. Darum ist Wohlstand mit einer umfassenden sauberen Umwelt wohl nur schwer gleichzusetzen zum heutigen Zeitpunkt. Umweltschäden werden meist ausgelagert, sodass man sagen kann die Umweltsituation hat sich verbessert. Staatliche Umweltpolitik braucht es tatsächlich nicht, weil der Staat ausschließlich seine Interessen konzentriert und die negativen Folgen verallgemeinert und vergesellschaftet. So ist der staatliche Klimaschutz nur eine Form der Generierung von Steuergelder und der Auferlegung von Repressionen und Sanktionen an seine Bürger, um den Staatsapparat weiterhin seine unverhältnismäßig hohen Vorzüge zu sichern.

Auf jeden Fall ein Thema, das ein Nachdenken zulassen sollte, denn die Umwelt, die Natur und das Wohl ausschließlich aller Lebewesen geht uns alle an.

Marcel L.

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