Volkswagen – Eine scheinbare Erfolgsgeschichte

Volkswagen steht seit über einem halben Jahrhundert sinnbildlich für Deutschlands Automobilindustrie. Heute mehr denn jemals, doch anders als vor vielen Jahren gewollt. Denn die negativen Nachrichten des „VW-Abgas-Skandal“ lasten sicherlich der gesamten deutschen Branche im Ausland an. Vielleicht in Sachen Volkswagen nicht minder zu Unrecht, obwohl bei derart Diskussionen eine differenzierte Analyse dringlich von Nöten ist.

Natürlich muss man einen Führungscharakter des VW-Konzerns im gleichen Zug relativieren. Zum heutigen Stand haben sicher einiger seiner deutschen Konkurrenten auch einiges mehr geleistet, ob nun gewinnbringend oder sinnvoll sei mal dahingestellt. Auch japanische Konkurrenz ist der VW Technik um einiges voraus. Es ist immer die Rede von Innovationen und Fortschritt, denen man Mercedes oder BMW mehr Tatendrang zuschreibt, doch bleibt der Gedanke hinter der Markt VW, ein Automobil zu identifizieren, das mit Mobilität für (fast) jedermann entwickelt wird. Für zahlreiche „Autonarren“ lässt sich sogar dahinter eine Art Religion vermuten.

Hochmut kommt nicht selten vor dem großen Fall. Im Grunde scheint es ein Naturgesetz zu sein. Derart Abgründe gehen schon gar nicht an einem der führenden Automobilhersteller vorbei, dessen Ziele es sind, immer weiter und höher hinaus zu streben. Schaut man sich die Geschichte dieses enorm prägenden Automobilherstellers in Deutschland an, erschließt sich manch Horizont, an dem diese Entwicklung, dessen Resultate wir heute sehen, durchaus vorhersehbar erscheinen konnten.

Die Vereinigten Staaten von Amerika gelten heute als der wichtigste Automarkt der Welt. Führende Automobilhersteller kommen um diesen Wirtschaftsraum kaum herum. Vor allem mit dem unüberwindbaren Willen weltweit sich an Spitzenpositionen zu etablieren. Gleichfalls unterlassen darüber hinaus auch Fahrzeughersteller diesen doch eher gewagten Sprung und die Anstrengungen sich auf dem amerikanischen Markt durchzusetzen. Eben weil es zahlreiche Kartelle gibt, die sich nicht gern die Butter vom Brot nehmen lassen.

Der Ruf eines Volkswagen-Konzerns, dessen Geschichte bis in die Zeit Adolf Hitlers zurückgeht, scheint mehr oder weniger ruiniert. Damals baute Ferdinand Porsche für den deutschen Diktator Fahrzeuge. Darüber hinaus musste man sich schon frühzeitig an den Vereinigten Staaten orientieren. In Folge der Entwicklung der Fließbandproduktion durch Henry Ford, war es auch an Ferdinand Porsche, diese Entwicklung in eine eigene Produktion umzusetzen. Das Volkswagenwerk in Wolfsburg entstand in den 30er Jahren nach Strukturen und Konzepten der amerikanischen Produktion des Modell T von Ford am River-Rouge in Detroit. Zu der Zeit machte die Fließbandproduktion es auch „einfacheren“ Personen möglich, sich ein Auto zu kaufen.

Schon früh mit bitteren Beigeschmack

Schon der Grundstein wurde durch einen Gau gelegt. So konstruierte Porsche den Käfer, der jedoch starke Ähnlichkeiten zu einem Fahrzeug der Firma Tatra aufwies. Es folgte eine Klage gegen Porsche wegen Patentrechtsverletzung, im Resultat 3 Millionen Mark Strafe zu zahlen waren.

Ferdinand Porsche hatte stets eine enorme Überzeugung gegenüber Dieselfahrzeugen. Im Diesel steckt relative viel Energie, was ihn auch im Bezug auf seinen niedrigen Verbrauch sehr effizient macht. Über amerikanische Hersteller ließ man verlauten, sie könnten keine Diesel bauen, darin sah VW in Personen Piech und Winterkorn seine Chance im amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Aufgrund der vorangestellten Vorteile gegenüber amerikanischen benzinbetriebenen Fahrzeugen hatte Volkswagen auf die Dieseltechnik gebaut, wollte eben mit dieser „Innovation“ in Amerika Fuß fassen und in Folge dessen sogar den amerikanischen Markt dominieren. Eine andere Chance sah man nicht. Den Weltmarkt zu beherrschen war nur durch den amerikanischen Markt mit einem effizienten Diesel möglich, wollte man sich gegen die ewige Konkurrenz aus Japan durchsetzen. Doch dabei hätte den Verantwortlichen um Ferdinand Piech und Martin Winterkorn schon damals klar sein müssen, dass es aufgrund der strengen Abgasnormen bzw. Stickoxidvorschriften in den Vereinigten Staaten es nahezu unmöglich war, einen Diesel ohne extrem unwirtschaftlichen Aufwand zu bauen. Wobei die Fahrzeuge in den VSA ziemlich „günstig“ angeboten wurden. Letztendlich wurde aber die Kostenersparnis durch geringere technische Abgasreinigung zum Verhängnis. Dennoch hielt man die Ingenieure an, dieses Ergebnis zu demonstrieren.

Erste Schritte auf dem US-Markt

Im August 2008 ging nun VW mit einem Diesel auf den US-Markt, die Abgaswerte entsprachen im zertifizierten Prüfverfahren den gesetzlich vorgeschriebenen Werten. Im Mai 2011 baute VW seine erste Produktionsstätte in Amerika und konnte nun auch mit Arbeitsplätzen werben. VW war drauf und dran sich im bis dato gesamtwirtschaftlich größten Markt der Welt aufzustellen und damit automobiler Weltmarktführer vor Toyota zu werden.

Vordergründig gibt die Umweltbehörde an, Untersuchungen in die Wege geleitet zu haben, da Diesel des VW-Konzerns in den USA weniger Nox (Stickoxidausstoß) ausstoßen würden als identische Modelle in Europa. Dies soll die us-amerikanische Umweltbehörde dazu bewogen haben die Diesel im realen Straßengebrauch zu testen. Gemessen wurde mit einem portablen Messgerät einer Universität, welches für derart Zwecke noch nie an anderer offizieller Stelle zum Einsatz kam. Es war gegen die deutschen Automobilhersteller der erste Prüfzyklus, den man im tatsächlichen Fahrbetrieb durchführte. So hat man im Frühjahr 2014 Stickoxidwerte des 35fachen über den angegebenen Werten des Herstellers gemessen. Hier wurde die Vermutung einer Manipulation nochmals bestätigt und darüber hinaus erstmals im Testbetrieb. Am 15. Mai 2014 wurden Diesel-Test Ergebnisse der obersten amerikanischen Umweltbehörde übergeben und damit die gemessenen Stickoxidwerte veröffentlicht. Daraufhin wurden Ermittlungen der Behörde gegen deutsche Autohersteller eingeleitet. Hier wurden ähnliche Werte gemessen, die Zykluswerte im Straßenbetrieb lagen um das 35fache höher, als auf dem Prüfstand. Anfragen an VW liefen laut amerikanischer Seite ins Leere, man war Vermutungen nach auch nicht bereit mit den Behörden zu kooperieren. Doch schlussendlich deckte die genaue Prüfung die Manipulation auf. Es war schlichtweg naiv und dumm von Seiten des VW Konzerns zu denken, dies würde unbeobachtet bleiben. Die amerikanischen Behörden haben nur bis zum geeigneten Zeitpunkt gewartet, die Bombe platzen zu lassen. Der Zeitpunkt unmittelbar vor der Autoshow in Detroit scheint wohl extra provoziert.

Als es öffentlich wurde, verpflichtete man VW dazu in den USA 500000 Fahrzeuge zurückzurufen und für niedrigere Werte zu sorgen. Es wurde ein Softwareupdate aufgespielt, das aber keine Verbesserung brachte. Damit hatte man VW schon wieder Vorsatz vorgeworfen. Anhand dessen kann man sich die Maßnahmen des Volkswagen Konzerns in europäischen Ländern ausrechnen, Emissionswerte zu verbessern. Eine Pille für das Volk um VW guten Willen unterstellen zu können.

Im April 2015 gab es interne Streitigkeiten zwischen den zwei Führenden Piech und Winterkorn. Aus heutiger Sicht könnte man von einer Inszenierung ausgehen durch Piech, da dieser zuerst ausschied. Man hat meinen müssen er hat den Machtkampf verloren. Schlussendlich flog der Abgasskandal aber unter Vorsitz Winterkorns auf, dieser dann zurücktrat. Eben dieses wurde als später Sieg Piechs gewertet.

Am 8. Oktober 2015 musste der damalige VW Chef unter Eid vor amerikanischer Gerichtsbarkeit aussagen, dass die Führung des Konzern von der Manipulation nichts gewusst hätten. Wiederum war es naiv zu glauben, dieser Plan würde gelingen. Es ist schlicht undenkbar, bei dem fachlichen Wissen von Piech und anderer, das die Ingenieure aus eigener Initiative gehandelt haben. Obwohl der Druck durch die VW Führung auf die Konstrukteure, aufgrund des unbedingten Drang an die Weltspitze, enorm hoch sein musste, erscheint das völlig gelogen und getäuscht.

2015 reichte die USA Klage ein, aus der im schlimmsten Fall 45 Milliarden Strafe resultiert hätten. Dies geschah kurz vor der Detroit Autoshow, einer der wichtigsten Events des amerikanischen Automobilmarkts. Dies gilt auch offiziell für die Explosion der regelrechten Abgasbombe. Der VW Vorstand heuchelte Reue, nachdem er vorn weg massiv in der Kritik stand. An dieser Stelle wäre es spätestens angebracht öffentlich die Schuld auf sich zu laden und dem ein Ende zu setzen. In einem anschließenden Radiointerview hatte man aber rotzfrech erneut gelogen und behauptete wie von Sinnen keine Fehler gemacht zu haben.

Schlussendlich standen in einem Vergleich 20 Milliarden US$ Strafe zu Buche.

Die Geschichte verhieß nichts Gutes

Schon in der Vergangenheit soll es in einem Fall der Manipulation von Abgaswerten zu einer Strafe eines anderen Herstellers von ca. 1 Milliarde US$ in den VSA gekommen sein. Dennoch hat VW riskiert um ein vielfaches höher bestraft zu werden. Im Grunde auf den Rücken der Mitarbeiter und der Anteilseigner, in dem Fall auch das Land Niedersachsen.

1960 wurde das sog. VW-Gesetz vom Bundestag beschlossen, das für VW Sonderregelungen festlegte. Gleichzeitig war VW bis 1960 ein staatliches Unternehmen, dass später unter Kanzler Erhardt an die Börse ging. 20% der Aktien verblieben bis heute beim Land Niedersachsen, was bei Verantwortlichen mit Wohlwollen gefestigt ist. Denn damit hatte man ein sogenanntes politisches Schutzschild, mit dem man sehr großen politischen Einfluss und Rückendeckung inne hat.

Schon mit der Einführung des Käfers in den amerikanischen Markt ließ man von amerikanischer Seite aufhorchen, dass man einer deutschen Konkurrenz ziemlich unwillig gegenübersteht. Die Vereinigten Staate wollten im Grunde keine Marktanteile dem deutschem Konzern überlassen und Risiken des Wettbewerbs auf sich nehmen. Da aber damals schon eher große Fahrzeuge in Amerika etabliert waren, räumte man VW, zwar sicherlich mit großen Unmut, doch einen Absatzmarkt ein. Der kleinere Käfer eroberte den US-amerikanischen Markt. Konnte man auch einen freien und „stolzen“, (weltoffenen) Markt nicht öffentlich anderen verwehren.

Da man von Seiten VW zu lang auf den Käfer vertraut hat, war man aber zwischen den 70er Jahren und Ende der 90er Jahre als Importeur fast vollständig aus den USA verschwunden.

Schon Ende der 90er Jahre geriet VW in einen Skandal und ins Visier der amerikanischen Kartelle. Ferdinand Piech hat ausgerechnet einen Topmanager von General Motors abgeworben, woraufhin VW beschuldigt wurde Unterlagen durch diesen Coup gestohlen zu haben. In diesem Zusammenhang lief 1993 eine Klage gegen VW, in Folge derer VW dem amerikanischen Hersteller Autoteile im Wert von 1 Milliarde abkaufen musste. Diese Vorgehensweise galt damals schon als arrogant und völlig übermütig von VW sich mit amerikanischen Behörden anzulegen. Verhieß zukünftig im Grunde nichts Gutes.

Trotz der mehr oder weniger Angriffe der amerikanischen Wirtschaft auf den deutschen Automobilhersteller, was unter Einhaltung der Gesetze im Grunde aber völlig legitim ist, darf man der Geschäftsleitung sämtliche Fehler, Arroganz und Missstände anlasten. VW unterhält ein inniges Verhältnis zum Betriebsrat. Auch hier scheint Korruption an der Tagesordnung. Streiks wurden in der Vergangenheit verhindert, in dem man den Betriebsratsvorsitzenden mit Prostituierten gefügig gemacht hat. Belegt wurde dies durch interne Verantwortliche. Es ist oftmals schwer nur wenig unmoralisches Verhalten in Führungsetagen großer Konzerne auszumachen.

Die Autolobby hat ein großes Ass im Ärmel gegenüber der deutschen Politik und Wirtschaft. Somit nahm man auch großen Einfluss auf eine Erhöhung der Regularien zu europäischen Abgasgrenzwerten. In Deutschland ist jeder 7. Arbeitsplatz von der Automobilindustrie abhängig, somit kann großzügig mit Systemrelevanz argumentiert werden.

Marcel L.

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