Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Kritikern heutiger politischer, wirtschaftlicher Strukturen wird natürlich vorgeworfen, keine Alternativen oder gar Lösungen für ihre Konflikte und das Aufbegehren gegen befundene essentielle Probleme zu benennen. Das ist aber in dieser geforderten Form oftmals auch gar nicht notwendig, da viele der heutigen Probleme gar nicht existieren würden, wenn das kapitalistische, rein auf Wohlstandsdrang basierte heutige System nicht derart Formen angenommen hätte, dass viele privilegierte Gesellschaftsteile schon seit längeren grundlegend über ihre (absolut) notwendigen Verhältnisse leben. Was sichtbare Probleme, die nun kaum zu leugnen sind, mit sich bringt. Die letztendlich trauriger Weise nur noch wenig tatsächlicher Werte (philosophisch) in sich tragen. Jene Verhältnisse, die in ihrer Schlichtheit, die realitere Grundlage für Frieden, Freiheit, Sicherheit, Gesundheit, Glück etc. beschreiben, vor allem die propagierte Nachhaltigkeit für alles, was uns prinzipiell umgibt beinhalten. Und diesen übermäßigen Wohlstandsdrang darf sich beinahe jeder vorwerfen lassen. Letztlich ist nichts weniger als das für unsere fundamentalen Probleme tatsächlich verantwortlich. Ob Probleme hinsichtlich der Umwelt, der Tierwelt, der Gesellschaft oder jeglicher systemischer Strukturen. Gerade das wird aber leider kaum wahrgenommen.

Folglich würde es neben Veränderungen, grundlegend eine strukturelle Umkehr benötigen. Man kann mit Recht behaupten, das ein bemerkenswert großer Teil der heutigen Besitzverhältnisse, zumindest in den bereits industrialisierten Nationen rein Luxus darstellt. Das eben wird aber nicht mehr dahingehend wahrgenommen, weil jeglicher Lebensstil oder -standard, der über das (tatsächliche) Existenzminimum hinausgeht, nicht das politisch festgelegte in Zahlen, als selbstverständlich und unumgänglich gekennzeichnet wird. Weil es der Kapitalismus, die Wirtschaft, die Werbung und der sogenannte „Mainstream“ als solches behauptet und verkauft. Letztlich gerade die Politik auch beschließt. Bedürfnisse werden ständig geweckt und völlig irrationale gesellschaftliche Statuten festgelegt und erweitert. Oftmals eigens von der ignoranten und arroganten Gesellschaft, die darüber hinaus nicht wahrnimmt, wie sie durch die Werbung, die uns nun ununterbrochen und penetrant den „einzigen“ und „alternativlosen“ Wohlstand vorgaukelt, oder durch Marketingstrategien der industrialisierten und materialisierten Welt vorgeführt wird. „Haste was biste was.“ Große Teile der Gesellschaft sind zu einem jämmerlichen Haufen nichtsdenkender, egoistischer Konsumbegierigen ohne jeglichen Zweifel und Einhalt geworden.

Dabei muss man sich schon mal vor Augen führen, ob man beispielsweise wirklich ein Auto mit übermäßiger Komfortbedienung und doch unsinniger technischer Komplexität benötigt, was letztendlich größtenteils die Bequemlichkeit und Einfälltigkeit bedient. Wahre Kraftwerke und Elektronikmonster, Ressourcenvernichter, die dann noch das Label „Nachhaltigkeit“ tragen dürfen.

Gleiches trifft auf unzählige andere Güter des sog. technischen Fortschritts zu, die letztlich nur ein Auswuchs unbekümmerten „Lifestyles“ darstellt, doch in keiner Weise an die tatsächlichen Nebenwirkungen denkt. Nein, damit soll nicht der technische Fortschritt grundlegend verteufelt werden, doch sollte man schon bedenken, vor allem wenn man die derzeitigen politischen Debatten in gleicher Weise bedient, wie es gewollt ist, dass der technische Fortschritt in seiner Bilanz all zu oft schädlich ist, für das was man eigentlich erreichen will. Natürlich hat man Rom, so wie man sagt, „auch nicht an einem Tag“ erbaut. Doch muss man zusehen, dass man sich nicht schon in einer Katastrophe befindet, wenn man sein Ziel nach eigenem Bemessen erreicht haben sollte. Später vielleicht doch eine anfängliche Einsicht besser gewesen wäre. Wobei man zurecht behaupten kann, dass heutige Debatten, vor allem der Politik selber, zumeist keineswegs ehrliche Absichten vertreten. Sondern wiederum nur Interessen, ferner auch mehrheitlich die eigenen, bedient.

Eben genau dort müsste bei dieser Debatte angesetzt werden. Aber daran sieht man auch wie hinterhältig und interessensgesteuert der gesellschaftliche und ökonomische Widerspruch, speziell der heutigen umwelt- und sozialpolitischen Debatten der Wirtschaft sowie der Politik, ignoriert wird. Aber gerade die Umwelt grundlegend zu schützen kommt in so mancher Debatte gar nicht vor. Man soll es nur meinen. Nachhaltig, sicher oder vor allem auch gesund würde heute dort anfangen, wo man sich in Verzicht und Genügsamkeit übt. Doch das ist am wenigsten gewollt. Weniger Arbeit für weniger Luxus, doch aber auch weniger Risiko negative gesundheitlicher Folgen speziell im Alter oder etwa weniger Umweltschäden. Wo man sich dem Stress widersetzt und dem oftmals unsinnigen Leistungsstreben. Menschen denen das „Weniger“ schmackhaft gemacht werden würde, als den Neid zu befeuern, ständig nur nach links und rechts blicken zu müssen. Vor allem nach oben. Warum wird ständig nur Hollywood als Paradebeispiel des Erfolgs vorgehalten? Menschen gezeigt, die eigentlich jegliche Maßstäbe und Zufriedenheit verkennen?

Angst zu verbreiten, vom übermäßig „tollen“ Wohlstand abgehängt zu werden. Die Menschen zum Arbeiten bis zum Umfallen zu motivieren. Doch letztendlich der Notwendigkeit bedarf, eben diesen über Jahrzehnte gepuschten Wachstums- und Wohlstandsdrang, vordergründig für die unbegrenzt Vermögenden, deren sowieso jegliche Moral abhanden gekommen ist, zu relativieren und sich einzugestehen, dass es die völlig falsche Logik ist.

Dabei geht es nicht um reich gegen arm, womöglich noch um Neid und Missgunst. Es geht essentiell darum, das zu schützen, was uns umgibt. Jenes, was die Grundlagen für eine sichere und vor allem gesunde Zukunft stellt. Selbstverständlich hat auch die industrialisierte Welt, ein gewisser Wohlstand dazu beigetragen, dass Krankheiten ausgerottet wurden, Menschen mehr Sicherheit erfahren dürfen. Unbestritten. Doch scheint man an einem Punkt anzukommen, an dem diese Errungenschaften sich gefährlich ins Gegenteil verkehren können. Gewissenlose Unternehmenspraktiken, Menschen gesundheitlicher Risiken ausgesetzt durch einige skrupellose Großkonzerne und deren Nachahmer. Vor allem aber auch damit scheinbar in Verbindung stehende staatliche Willkür. Doch die Gier auf Kosten des menschlichen Wohles beginnt oft schon viel weiter unten.

Dabei wird ein derartiges System gern als alternativlos angesehen, zum einen, da es Personen gibt, die bedienen sich gern der gut gefüllten Trögen, wiederum die anderen, die zu bequem sind, nötige, doch aber teilweise erkannte Probleme ins positive Veränderungen zu vollziehen. Vor allem aber politisch einen Richtungswechsel herbeizuführen.

Marcel L.

1 Comments

  1. Es gibt zwei Dinge im Leben Marcel, für die kein Mensch auf Erden nachfragen muss, das sind der Neid und die Missgunst. Mach die Probe auf`s Exempel und stell dich die Tage nur 5 Min. in die Fussgängerzone und min. 1 dir total unbekannte Person wird dich von oben bis unten bemustern und abfällig ansehen, bisweilen auslachen oder seinen Kopf schüttel, darüber das jemand wie du auch neben ihm existieren darf, probiere es aus im Land in dem mehr Menschen vor Gericht gezerrt werden als zum Kaffe eingeladen werden.
    Dieses krankhafte Mosern auf aller höhster Ebene ist nur ein immer wieder sichtbarer Beweis der Kontrolle über die Massen, ihren Köpfen und ihren Seelen.
    Willst du einen absolut unnützen und nicht benötigten Spritschlucker verkaufen, dann kleb am Heck einfach einen wiesengrünen oder himmelblauen Aufkleber mit einer absolut nichts sagenden Botschaft auf, und schon kannst du dir in Verbindung mit dem darauf geschulten Verkaufspersonal sicher sein die größte aller Umweltsünden, das Automobil, gut zu verkaufen.
    Du willst deine besten Gen- Food- Produkte an den Konsumenten bringen? Dann schreibe „Bio“ drauf und du kannst dir der höchsten aller Gewinne sicher sein.
    Nein, diese Welt ist nicht ungerecht, sie ist sehr gerecht wenn man sich anschaut was die Konsum- Zombie- Sklaven der westlichen Werte als Nahrung, Information, Ausbildung usw. bekommen, nähmlich genau das von dir beschriebene. Traurig ist nur die Kehrseite dieser Medalie, die Seite auf der die Opfer unseres Konsumexzeses unsichtbar in Massen dahingerafft werden ohne dass die Täter jemals im Stande sein werden zu verstehen was sie so vielen Milionen Menschen auf diesem Planeten damit antun.
    Aber hey, was wollen wir denn,uns geht es doch gut, oder?
    LG an alle!

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