Die anarchistische Alternative und ihre Umsetzung, Teil 1

Autor: rote_pille

Die Behauptung „Anarchie führt zu Chaos“ ist eine selbst erfüllende Prophezeiung. Sind nach einem Zusammenbruch des Staates die Menschen durchgängig der Meinung, dass sie dringend wieder einen Staat brauchen und dass es ihre moralische Pflicht ist, sich beherrschen zu lassen, dann wird es Menschen geben, die sich dazu berufen fühlen ihn aufzubauen und dabei Gewalt anzuwenden, weil sie wissen, dass sie damit durchkommen. Das wiederum führt dazu, dass sich die Prophezeiung bewahrheitet.

Aus Zusammenbrüchen, die überwiegend durch gesellschaftliche Konflikte herbeigeführt wurden, anstatt durch prinzipielle Ablehnung von Zwangssystemen, hat sich deshalb bis jetzt noch keine freie Gesellschaft entwickelt. Ich möchte mich damit befassen, was die Menschen tun könnten, wenn sich irgendwann in einem zusammenhängenden Gebiet, sei es eine Stadt, ein Bundesland, ein Nationalstaat oder die gesamte Welt, genügend von ihnen bewusst dafür entscheiden würden, weder an die Notwendigkeit eines Staates zu glauben, noch die Autorität von Regierungen als rechtmäßig anzuerkennen. Aus mehr als diesen beiden irrationalen Ideen besteht der Staat nicht.

Ausnehmen muss ich die gewaltsamen Auseinandersetzungen, die zur Auflösung des Gewaltmonopols über das Referenzgebiet geführt haben, nachdem die etatistische Idee gestorben ist. Die Ausgangssituation ist ein Zustand, in dem weder von innerhalb noch von außerhalb mehr genügend Drohpotential vorhanden ist um trotz fehlender Akzeptanz in der Bevölkerung Steuern eintreiben zu können. Auf dem Weg dahin kann es viele erfolglose Versuche gegeben haben, in dem z.B. ausländische Regierungen oder die UN dem Staat geholfen haben sich an der Macht zu halten oder eine Phase, in der sich die letzten Staatsanhänger aus Angst um ihre Einkommen beim Militär sammeln um das System noch mit bloßer Gewalt aufrechterhalten. Das ist für dieses Szenario schon Vergangenheit. Man kann sich beispielsweise vorstellen, dass die Truppen, deren Einstellung auch von den in der Gesellschaft herrschenden Ideen beeinflusst wird, teils desertiert, und teils neutralisiert worden sind, und von außerhalb keine Intervention in Erwägung gezogen wird.

Die materiellen Dinge sind relativ zu unseren Bedürfnissen (im Sinne von: alles, was wir begehren und begehren würden, wenn wir den Rest schon hätten) knapp. Der Star Trek-Replikator, der alles auf Sprachbefehl ausspuckt, wurde noch nicht erfunden. Wenn man auf Herrscher, die entscheiden wer sich was nehmen darf, verzichten will, aber prinzipiell unlösbare Konflikte um materielle Güter verhindert werden sollen, dann muss ein anderes Ordnungsprinzip akzeptiert werden, welches den Umgang mit dieser Tatsache ermöglicht: das Eigentum, also die exklusive Kontrolle über eine Sache, wobei die Betonung auf der Ausschlussmöglichkeit liegt (die Kontrollmöglichkeit wird von fremden Rechten eingeschränkt, ich sollte bspw. meinen Schläger nicht dazu benutzen fremde Autos zu zerschlagen – diese Erkenntnis unterscheidet richtige Anarchisten von staatsfinanzierten Berufschaoten).

Gesellschaftliche Ordnung hat nichts mit der Existenz oder der „Stärke“ eines Staates zu tun, sondern dem Respekt vor dem Eigentum in der Gesellschaft, andernfalls wäre Venezuela mit seinem überstarken Staat gerade ein geordnetes Musterland. Die Organisation „Staat“ kann als irrational erkannt und abgeschafft werden. Solange privates Eigentum von einer großen Mehrheit akzeptiert wird, finden sich auch Wege es zu schützen, und die Zivilisation geht nicht unter.

Private Firmen, die formal eine Schöpfung der untergegangenen staatlichen Rechtsordnung sind (ich will vom BRD GmbH-Bullshit nichts hören, FIRMEN ERHEBEN KEINE STEUERN!), können weiterhin existieren, basierend auf der früheren Zustimmung ihrer Eigentümer und Investoren zu den Bedingungen. Falls diese Zustimmung durch eine vom Staat geschaffene Zwangslage herbeigeführt wurde, kann sie (wenigstens in einigen Punkten) zurückgezogen werden, ohne sich mit den Betroffenen einigen zu müssen – notfalls kann ein Schiedsgericht das entscheiden. Frauenquoten für AGs wären ein Beispiel. Neue Firmen können nach neuen Regeln gegründet werden, die ein dafür zuständiges Unternehmen ausarbeitet und veröffentlicht. Die Rechtskonstrukte existieren nur für die, die sie akzeptieren, nach außen hin handelt es sich bei Firmeneigentum um Privateigentum natürlicher Personen. Wenn jemand Firmeneigentum stiehlt, dann gilt das als Aggression gegen den/die Firmeneigentümer, obwohl der Firmeneigentümer auch nur eingeschränkten Zugriff darauf hat.

Das Staatseigentum muss vollständig privatisiert werden, um das konfliktfreie Weiterarbeiten mit den Vermögenswerten zu ermöglichen. Auf Infrastruktur will schließlich niemand verzichten.

Man sollte sich keine Illusionen wegen den Synonymen von „Staatseigentum“ wie z.B. „Gemeineigentum“, „Volkseigentum“ usw. machen und auf den Gedanken kommen, man würde durch die Privatisierung die Kontrolle über das Land, die „Souveränität“, oder sonst was verlieren. Über das Staatseigentum und den daraus gezogenen Nutzen hatte man nie eine Kontrolle, die vergleichbar wäre mit der, die man als Aktionär über seine AG hat. Die Staatsdiener haben die Waffen und damit die Übermacht – sie dienen dem Staat und nicht der Bevölkerung. Das Staatseigentum dient ihnen als Mittel um Nutzen zu privatisieren und Kosten zu sozialisieren. In der DDR gab es zwar schärfere Regeln für die Regierung bezüglich des „Volks“eigentums, wie z.B. dass sie es nicht verkaufen konnten, aber das hat nichts besser, sondern eher schlimmer gemacht. Es gab nämlich nicht einmal die Aussicht darauf, dass ein fähiger Unternehmer die Vermögenswerte in die Hände bekommt, nachdem sie durch Korruption wieder im privatwirtschaftlichen Kreislauf gelandet sind, und das Volk wenigstens von der allgemeinen Effizienzsteigerung profitiert.

Patrioten reden gerne davon, dass Deutschland „ihr Land“ sei, so wie sie von ihrem privaten Auto reden. Aber was hat man von „seinem“ Land verglichen mit seinem Auto? Das Auto kostet zwar Geld, doch dafür kann man damit fahren. Die Zugehörigkeit zu seinem Land hingegen ist eher eine Schuld, ein Haufen Verpflichtungen, die einem ohne Begründung aufgeladen wurden. Sie kostet Geld und einen Nutzen daraus sehen auch die hiesigen Kontingente der afrikanischen Überbevölkerung, die nichts beitragen. Warum sollte man Schulden akzeptieren, die man nicht gemacht hat?

Die effektive Kontrolle über seine eigenen Angelegenheiten – fälschlicherweise oft mit „demokratischer Kontrolle“ verwechselt – die verzweifelt gesucht wird sucht und die euch die Demokratie nicht geben kann, lässt sich nur in einer auf dem Privateigentum basierenden Ordnung finden, in der die Leute, die man bezahlt, Dienstleister sind und keine Herrscher. Es gibt nur einen Haken: niemand kann sich darauf verlassen, dass ein anderer seine Rechnungen übernimmt. Es gibt eben immer die Wahl, entweder ein Diener im Himmel oder der Herr in der Hölle zu sein. Und die ist gar nicht so schlecht, wie im „Himmelreich Demokratie“ immer behauptet wird.

Es gibt zwei Fragen, die sich bezüglich jedes Vermögenswertes stellen, der privatisiert werden soll:

  1. Wer kann objektiv am besten begründen, dass er der neue Eigentümer sein soll?
  2. Wer ist organisatorisch am ehesten dazu in der Lage, sich den Vermögenswert anzueignen und ihn effizient zu bewirtschaften?

Man könnte das Staatsvermögen mit den Staatsschulden verrechnen (beide sind ungefähr gleich viel wert) und die Anleihehalter so auszahlen. Auch die Steuerzahler könnten einen Anspruch auf das Staatseigentum begründen, weil es das Überbleibsel dessen ist, was ihnen (moralisch) unrechtmäßig genommen wurde.

Der Theorie nach eignet man sich Güter und Ressourcen, die noch keinen rechtmäßigen Eigentümer haben, oder die nicht mehr an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden können, an indem man sie bearbeitet. Wegen den großen Schwierigkeiten, Staatseigentum zurückzugeben, könnte man beispielsweise den Angestellten einer staatlichen Nahverkehrsgesellschaft Anteile an dieser zugestehen, weil sie für sie arbeiten. Es ist nicht ganz sauber, weil unklar ist, wann „Schwierigkeit“ in „Unmöglichkeit“ übergeht, aber immerhin nahe genug dran und deshalb in Betracht zu ziehen.

Das sind alle Möglichkeiten, die eine moralische Grundlage haben, bei denen man also noch ansatzweise von Fairness sprechen kann. Allerdings müssen sie erst noch durch den Praxisfilter.

Die Ideen, die Staatsanleihen durch das Staatsvermögen zu bedienen oder die Steuerzahler auszuzahlen, verlangen viel Zentralplanung. Es bräuchte zunächst eine große Organisation oder mehrere kleinere, die kooperieren, und die genügend Legitimität haben, sich alles anzueignen und es systematisch zu verkaufen. Außerdem würde auch jemand festsetzen müssen, wie viel davon an die Steuerzahler und wie viel an die Anleihehalter geht, und wie weit in die Vergangenheit die Steuerzahlungen berücksichtigt werden. Es ist offensichtlich, dass es keine Einigkeit geben und nur eine Zwangsorganisation, also ein neuer Staat so etwas regeln könnte.

Besser ist es nach der Devise „jeder kümmert sich um seinen Kram“ vorzugehen. Anstatt dass eine große Organisation die städtischen Buslinien übernimmt, verkauft und dann versucht den Verkaufserlös an eine große Anzahl von Steuerzahlern zu verteilen oder die Halter der Staatsanleihen auszuzahlen, akzeptiert man die Leute, die sich sowieso schon darum gekümmert haben, als legitime Eigentümer. Die Angestellten des staatlichen Nahverkehrunternehmens übernehmen und wandeln es in eine private AG um, an der jeder Angestellte einen gleich großen, frei handelbaren Anteil erhält, auf den auch Dividenden gezahlt werden. Die Organisation als Arbeitersyndikat sollte vermieden werden um die Unabhängigkeit der einzelnen Arbeiter zu sichern (private Anteile können sie auch nach der Entlassung behalten, womit sie den Betrieb kontrollieren und nicht umgekehrt). Die zu privatisierenden Unternehmen sollten auch in kleinere Einheiten gespalten werden, falls das wirtschaftlich Sinn macht und man sich bezüglich der Aufteilung der Vermögenswerte einigen kann.

Um es klarzustellen: es würde keine Autorität geben, die überwacht, ob das genau so umgesetzt wird, aber die eben beschriebenen Vorschläge sollten sich wegen dem Eigeninteresse der Betroffenen und der Problematik, sich in größeren Gruppen zu organisieren, als vernünftigste Option herauskristallisieren. Was nicht garantiert, dass kein skrupelloser Manager es irgendwo schafft sich alles zu packen, weil der Rest zu dumm ist sich zu organisieren. Das läuft dann unter „shit happens“. Ohne Schutz des Staates ist es dennoch viel weniger wahrscheinlich, dass jemand damit durchkommt.

Die Privatisierung erfordert auch die Duldung der Mehrheit der Außenstehenden. Es mag vielleicht ungerecht und der Neid auf die Busfahrer oder Manager, die sich Anteile nehmen können, während es in der Privatwirtschaft weitergeht wie bisher, berechtigt sein. Trotzdem wird man einsehen müssen, dass diese Leute nicht schuld an der praktischen Alternativlosigkeit sind und man selbst genauso handeln müsste, wenn man in der Position wäre.

Genauso lässt man die Straßenbahnfahrer machen. Und auch die Lehrer und Rektoren mit den Schulen, die sich dann durch Schulgebühren finanzieren. Die Krankenhausangestellten mit den Krankenhäusern. Die Mitarbeiter des Schwimmbads mit dem Schwimmbad. Die Bewohner von staatlichen Sozialwohnungen übernehmen ihre Wohnungen. Staatliche Grundstücke gehen an die Eigentümer der Gebäude darauf. Es brauchte nie einen Staat für die Organisation dieser Lebensbereiche. Man vertraut darauf, dass die Menschen es alleine hinbekommen, weil man sie lässt.

Güter, von deren Nutzung niemand (ohne unverhältnismäßig hohe Kosten zu verursachen) ausgeschlossen werden kann, werden als „öffentliche Güter“ bezeichnet – nicht zu verwechseln mit „vom Staat bereitgestellten Gütern“, die keineswegs in diese Kategorie gehören müssen. Im Zusammenhang mit Bildung und Gesundheit ist sehr oft die Rede von öffentlichen Gütern, weil die Begriffe vermischt werden oder ein Anspruch ausgedrückt werden soll – also dass Bildung und Gesundheit jedem zugänglich gemacht werden sollen, und ein anderer bezahlen muss. Wenn man sich den Staat wegdenkt, merkt man sofort wie schwachsinnig diese Idee ist, denn mit welcher Begründung sollte man einer anderen Person die Rechnung für seine Bildung oder Gesundheit schicken? Das Trittbrettfahrerproblem tritt hier nicht auf. Anders sieht es bei städtischen Straßen aus.

Es ist selbstverständlich nicht möglich, dass jeder das Stückchen Straße vor seiner Wohnung privatisiert und andere davon ausschließt, oder sich die Straßenbauarbeiter zum Eigentümer der Straßen erklären und sie einzäunen, denn dann säße jeder fest. Der neue Eigentümer der Straße muss einerseits davon abgehalten werden, von seiner Macht, jemanden auszuschließen, grundlos Gebrauch zu machen, weil er sonst die Anwohner damit erpressen könnte sie nicht mehr ihr Haus erreichen zu lassen, andererseits müssen die Straßen irgendwie finanziert werden, also auch eine Möglichkeit für den Eigentümer bestehen, sich von den Nutzern dafür das Geld zu holen.

Die Gemeindestraßen kosteten die öffentlichen Haushalte (Bund, Länder und Gemeinden zusammen) ca. 5 Mrd. in 2010 [siehe Fußnoten]. In Deutschland gibt es 45 Mio. PKW. Um die Kosten für die Straßen zu finanzieren, würde es reichen, wenn man für jeden PKW Parkgebühren in Höhe von sagenhaften 30 Cent pro Tag einnehmen würde. Rechnen wir damit, dass nur ein Drittel der PKW auf den öffentlichen Straßen parkt, die Betriebskosten höher sind als erwartet (für den Fall, dass meine Rechnung unvollständig war), und vernachlässigen die Einnahmen aus den Gebühren für das Abstellen von Motorrädern, oder Standgebühren, die weiteren finanziellen Spielraum geben, den ich mangels Daten nicht quantifizieren kann. Sagen wir: 1 Euro pro Parkticket.

Ein funktionierendes Geschäftsmodell für Städte könnte so aussehen: ein Unternehmer sagt auf einer Bürgerversammlung, die über das Schicksal der Straßen berät: „ich gründe jetzt eine Firma, welche zur Eigentümerin der Straßen in der Stadt wird, weil die Straßen in ihrem Namen bearbeitet werden. Die Firmenregeln sind folgende:

  • 1 Die Eigentümerschaft an der Firma ist nur eine Formsache. Miteigentümer der Firma ist jede beliebige Person, die sich als solche einträgt. Die Eigentümer können freiwillig eine Kontrollfunktion über einen den unter §10 beschriebenen Wahlprozess ausüben. Sie können die Firmenleitung nicht ernennen und es werden keine Gewinne an sie ausgeschüttet.
  • 2 Die Straßen und Plätze in dem ausgesuchten Gebiet gehören der Firma und können nur an Anlieger verkauft werden, wobei Einschränkungen der Passierbarkeit auch nach dem Verkauf nur nach Zustimmung sämtlicher Anlieger des zusammenhängenden Straßenabschnitts und der Genehmigung durch die Firma, die aus Gründen der Integrität des Straßennetzes verweigert werden kann, erfolgen dürfen.
  • 3 Im Namen der Firma dürfen weder Schuld- noch Arbeitsverträge geschlossen werden.
  • 4 Die Straßen können von jedem weiterhin kostenlos benutzt werden, zu den von der Firma festgesetzten Verkehrsregeln.
  • 5 Alle Firmeneinnahmen, bis auf den Teil, der für die Rücklage bestimmt ist, werden an das Unternehmen überwiesen, das mit der Firmenleitung beauftragt wird. Alle Ausgaben der Firma müssen von der Firmenleitung getragen werden. Auf die Rücklagen darf nur so weit zugegriffen werden, wie vorher vertraglich festgelegt wurde.
  • 6 Die Firma ist für die Erhaltung der Straßen, ob direkt oder über beauftragte Subunternehmer, verantwortlich, wozu auch die Straßenreinigung gehört, Straßenbeleuchtung und Winterdienst. Bei einem Straßenausbau für Neubauten werden die Kosten mit dem Bauherrn geteilt.
  • 7 Die Verkehrsregeln werden von der Firmenleitung bestimmt (StVO wird weiter verwendet, nur Schilder werden ggf. angepasst). Die Einhaltung wird von der Firmenleitung überwacht.
  • 8 Die Firma erhebt Parkgebühren. Außerdem nimmt sie Strafzahlungen bei Missachtung der Verkehrsregeln ein (damit wird die Verkehrsüberwachung finanziert). Parken ohne Parkschein führt ebenfalls zu einer Strafzahlung [da die Identifizierung Probleme bereiten könnte, wird ein Ventilwächter angebracht, der gegen Zahlung entfernt wird].
  • 9 Die Firma erhebt Standgebühren und sorgt dafür, dass Straßen nicht besetzt oder blockiert werden.
  • 10 Einmal pro Jahr findet eine Woche lang eine Telefonwahl statt. Falls man unzufrieden mit dem aktuellen Management ist, ruft man kostenlos mit der Nummer an, mit der die Parktickets das Jahr über bezahlt wurden (das Geldsystem spielt keine Rolle, in der Zukunft wird alles digital bezahlt, gewöhnt euch dran), und gibt noch zusätzlich die Nummer ein, die für das Konkurrenzunternehmen steht, das man sich als Nachfolger wünscht. Falls man zufrieden ist, nimmt man nicht teil. Der Stimmenanteil, den man hat, entspricht dem Anteil an den Einnahmen, den man selbst durch Straf- oder Gebührenzahlungen an die Firma generiert hat. Jeder darf sich als Konkurrent bewerben, muss allerdings die Höhen aller Gebühren und Strafen, mit denen er wirbt, einen Monat vor der Wahl vertraglich garantieren, ebenso die Höhe des Anteils an den Einnahmen, der in die Rücklage fließen soll, außerdem muss auch ein eventueller Zugriff auf die Rücklagen (für eine Brücke z.B.) aufgeführt werden, der andernfalls untersagt ist. Dieselben Garantien muss auch die aktuelle Firmenleitung abgeben, um am Wettbewerb weiter teilnehmen zu dürfen.
  • 11 Die (formalen) Eigentümer können die Bilanzen kontrollieren, die Firmenleitung muss vollständige Einsicht über die Höhe der Einnahmen und Ausgaben gewähren und sie auch im Internet veröffentlichen. Außerdem wird auf der Internetseite des Unternehmens ein Protokoll veröffentlicht, in dem jeder Anrufzeitpunkt gelistet wird, zusammen mit dem Betrag, mit dem abgestimmt wurde, an welchen Konkurrenten die Stimme ging, und die letzten 3 Stellen der Rufnummer. So werden keine Kundendaten verraten, obwohl jeder verlässlich überprüfen kann, ob sein Anruf einen Effekt hatte. Falls es einen Konkurrenten gibt, der Stimmenanteile in Höhe von 25% der Einnahmen auf sich vereint, dann geht die Firmenleitung an den Konkurrenten über, wenn er den Firmenregeln zustimmt.
  • 12 Es gibt die Option, für die Auflösung der Firma anzurufen, für den Fall dass eine bessere Idee aufkommt. Wenn Stimmanteile in in Höhe von 50% der Firmeneinnahmen für diese Option eingesetzt werden, wird die Firma aufgelöst und ihr Eigentumsrecht an den Straßen erlischt.
  • 13 Baumaßnahmen an den Straßen, die auf eigene Initiative erfolgen (von Versorgern usw.) müssen der Firma gemeldet werden, die Kosten dafür tragen die Verantwortlichen selbst.
  • 14 Falls das mit der Firmenleitung beauftragte Unternehmen pleite geht, übernimmt der Konkurrent, der bei der letzten Abstimmung den größten Anteil hatte, bis zur nächsten Abstimmung. Die Konditionen bleiben bis dahin unverändert.“

 

Ob das jetzt eine 100% saubere und lückenlose Beschreibung ist, spielt keine Rolle, die Grundidee sollte auf jeden Fall klar sein.

Betrug bei der Abstimmung ist so gut wie ausgeschlossen, denn die ist faktisch öffentlich. Die einzige Möglichkeit wäre, die Einnahmen höher auszugeben als sie sind, und zusätzlich die Kontrolleure zu täuschen. Doch die echten Einnahmen lassen sich leicht aus den vorherigen Werten und Preisen abschätzen.

Das Eigeninteresse der Unternehmer, ihre Einnahmequelle zu behalten, sollte dazu führen, dass man nie wieder auch nur einen Satz über verfallende Brücken oder Schlaglöcher auf den Straßen lesen und keine unangemessenen Strafzahlungen bei 5 km/h zu viel leisten müsste. Sogar Umweltschutzregeln könnten über ein Plakettensystem weitergeführt werden, wobei ein anderes Unternehmen, das diese Plaketten verkauft, für die Prüfung der Automarken zuständig wäre. Dazu müssten nur die Verkehrsregeln angepasst werden.

Falls eine Stadt zu groß ist, kann sie in Bezirke unterteilt werden, solange Einnahmequellen und Kostenpunkte einigermaßen fair verteilt sind. Das Modell findet keine Akzeptanz, wenn jemand selektiv einen Stadtteil mit vielen Parkplätzen heraus nimmt und die Flussbrücke, die dahin führt, verrotten lässt. Die Begründung des Anspruchs auf die Parkflächen, wegen dem die Gebühren überhaupt legitim sind, basiert auf der übernommenen Verantwortung für die Erhaltung (Bearbeitung) der Straßen in der Umgebung im Allgemeinen. Wenn jemand sich nur die Rosinen herauspickt, dann zerstört er seine eigene Argumentationsgrundlage, sodass ihm nichts mehr bleibt, um die Ansprüche von anderen, wie beispielsweise Anwohnern, die sich die Parkplätze selbst nehmen wollen, abzuwehren. Sollten neue Brücken gebaut werden und zu teuer sein, kann man notfalls eine Mautgebühr für sie einführen.

In kleineren Ortschaften, in denen es zu wenige öffentliche Parkplätze gibt, braucht es andere Businessideen. Dort ist es allerdings auch leichter sich zu einigen als in größeren Städten. Im nächsten Teil mehr dazu.

Für die bestehenden Autobahnen und Landstaßen kann eine ähnliche Idee verwendet werden. Nur dass die Einteilung des Netzes eine andere ist und man Maut- statt Parkgebühren zahlt. Die Frage ist lediglich, wie man diese möglichst kostengünstig und verkehrsfreundlich eintreibt. Ein elektronisches Bezahlsystem, das eine Fahrzeug-ID empfängt und eine Rechnung an das verbundene Konto schickt, während man ohne zu verlangsamen durch die Ein- bzw. Ausfahrt fährt, im Zusammenspiel mit abschreckenden Strafen für Schwarzfahrer, wäre sicher im Rahmen des technisch und organisatorisch Machbaren. Da die Baumaßnahmen länger dauern, sollte der Wettbewerb nicht so häufig stattfinden, z.B. nur alle 2 Jahre.

Ums Geld muss man sich keine Gedanken machen: Kraftfahrer tragen momentan über diverse Abgaben rund ums Fahrzeug oder den Fahrzeugbetrieb 2,5 Mal mehr zum Staatshaushalt bei als für sämtliche Straßen ausgegeben wird. Der Rest geht für Parasitismus drauf.

 

Fortsetzung folgt

 

http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/M-O/oeffentliche-infrastrukturinvestitionen,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

http://www.stadt-wolgast.de/fileadmin/img/Witschaft/Klimaschutz/Strassenbeleuchtung.pdf

 

Vielen Dank an den Beitragsverfasser.

(Dieser Blog steht für Meinungsvielfalt. Diese soll ebenso zum Nachdenken, wie auch zum Verstehen anregen. Sämtliche Beiträge verschiedener Autoren, sowie Gastbeiträge können voneinander in persönlicher Meinung und Einstellung abweichen. Vor allem von der Meinung des Bloggründers.)

 

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5 Kommentare

    • Die werden von den Menschen mitversorgt, denen an ihrem Wohlergehen etwas liegt (oder haben sich gegen Krankheit versichert und fürs Alter gespart). Bei Kindern stehen wohl die Eltern an 1. Stelle, und nicht irgendwelche Firmeninhaber, was nicht heißt, dass die sich nicht auch dafür einsetzen könnten.

      • Die können auch nur dann mitversorgt werden, wenn dementsprechend im Voraus an sie bei der Lohnverhandlung dran gedacht wird.

        Der Lohn muss also so hoch sein, das im Falle eines Falles dies ohne weiteres möglich ist.

        Was fällt uns auf ? Das unsere Löhne nie dem entsprachen was wir als Verantwortung gegenüber unseren aller nächsten hätten sein müssen.

        Natürlich muss ein Unternehmer in seiner Verantwortung sehen wieviel Arbeitskräfte er braucht und deren Anhang im Fall des Falles berücksichtigen und den Lohn danach ausrichten. Dem entsprechend muss er den Lohn seiner Arbeitskräfte im Schnitt berücksichtigen und sich am besten mit seiner Konkurrenz auf faire Bedingung einigen.

        Das wird nie der Fall sein.

        • Was glauben Sie denn eigentlich, wer die Sozialleistungen heute bezahlt? Die Marsmännchen?
          Wenn es keinen Staat gibt, nehmen Sie einfach Ihr Geld, nachdem Sie den Lohn erhalten haben, (oder als Unternehmer: nachdem Ihre Firma den Gewinn ausgezahlt hat), und geben es wem Sie wollen. Dazu brauchen Sie sich mit niemandem abzusprechen. Sie machen es einfach. Vergessen Sie nicht, dass Sie ohne Staat auch 0 Steuerbelastung haben, weder auf dem eigenen Lohn/Gewinn, noch in den Produktpreisen.

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