Die Vorherrschaft auf dem eurasischen Kontinent

Das eurasische Schachbrett – Eine Analyse

Um die us-amerikanische Herrschaftsallüren sicherzustellen, gilt es natürlich vor allem auf dem eurasischen Kontinent die Vormachtstellung zu behaupten und auszubauen, so dass die eine Weltordnung etabliert werden kann. Oberflächlich betrachtet mutet der Plan, mit dem vor allem der kürzlich verstorbene Zbigniew Brzezinski aufleuchtete, weniger aggressiv an, als das die politischen Ziele und Handlungen der USA stetig konstruiert, nun mal auch teilweise praktiziert werden. (Anm.: Die angeführten Auszüge und Textpassagen stellen Strategien aus Brzezinskis Buch zur imperialistischen Geostrategie der USA dar.)

Sogar von einer „Weltgemeinschaft“ mit fundamentalen menschlichen Interessen und einer wirksamen Zusammenarbeit ist die Rede. (Anm.: Wobei die Umsetzung dessen wenig demokratisch oder individualistisch sein mag.) Um die imperialistische Ziele zu erreichen, sollen unter anderem Absprachen zwischen den Vasallen verhindert und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit bewahrt werden, die tributpflichtigen Staaten müssten fügsam gehalten und geschütt werden. Des weiteren müsse Sorge dafür getragen werden, dass die Feinde sich nicht zusammenschließen würden. (Anm.: Teile und Herrsche!) Denn, um die Ziele zu erreichen, dürfe man vor allem auf dem geostrategisch wichtigen Schachbrett Eurasien keine ernsthaften Konkurrenten (Anm.: Bündnisse) zustandekommen lassen. Eine derartige Situation wird als ernste Bedrohung für die USA dargestellt. [Besonders bemerkenswert diesbezüglich ist eine vorherrschende Situation, in der unzählige tributpflichtige Staaten und Vasallen auf dem eurasischen Kontinent erstmals durch eine außereurasische Macht beherrscht werden.]

Die USA dominierten bislang mit Hilfe der Nato [die als kollektives Sicherheitssystem dargestellt wird] div. Freihandelsabkommen, Weltbank, IWF oder der WHO. Die Machtverteilung hätte ihre Quelle in Washington, von wo aus jegliche Entscheidungen ausgehandelt werden. [Dabei versteht sich die Macht der USA stetig als Weltpolizist.] (Anm.: Und glaubt sich als unverzichtbar, aber auch als unangreifbar.) Entscheidend sei auch für die Ziele der USA, bezüglich die Herrschaft zu behaupten, ihre Seebasen vor allem in Fernost. Dort keinesfalls vertrieben zu werden. Die Gefahr für die Vormachtstellung der USA sei ebenfalls jene, würden sich die mittleren Staaten auf dem eurasischen Kontinent, vor allem die Gebiete der ehemaligen Sowjetunion vom Westen abwenden und mit dem aufstrebenden China einen Bund eingehen. (Anm.: Anhand dessen merkt man aber aktuell, das die Strategie zumindest in Teilen scheitern könnte, wenn Russland und China ihre Beziehungen vor allem im Handel entgegen aller Bemühungen aus Washington intensivieren und ausbauen würden und ein ebenso stetes, sowie tiefgreifendes Misstrauen beider Staaten auch untereinander dies nicht verhindert. Es ist aber letztlich nicht mehr und nicht weniger als ein Zweckbündnis gegen die hegemoniale Dominanz des us-amerikanisch beherrschten Westen. Russland ist teilweise auf den Ölabsatz neuerlich nach China angewiesen, im Gegenzug stärkt Russland die Nachfrage und den Absatz nach chinesischen Gütern und Waren. Wobei vor allem China kalkuliert handeln zu scheint, vor allem in der Lage ist, die Preispolitik vorzugeben, da es sich bislang strategisch aus weltpolitischen Konflikten herausgehalten hat, somit eigene Optionen zu wahren. Denn eigentlich ist China eher an den kapitalistischen europäischen Markt und Investitionen dorthin interessiert. China stellte bislang eher den stillen Akteur dar, doch für die eigenen Interessen scheinbar hocheffizient. China hat sich längst enorm in Europa eingekauft. Mit dem Milliardenprojekt Seidenstraße könnte Chinas Einfluss weiter an Fahrt gewinnen.

Die militärischen Spannungen des Westens zu Russland sind hauptsächlich auch in der Periode der Obamaregierung gewachsen, der durch augenscheinlich einen Präsidenten abgelöst wurde, der Russland, zumindest in europäischen Anliegen, enger einzubinden vermag. Die Politik gegenüber Russland wurde punktuell „freundlicher“, was wiederum auf keinerlei politisch und strategische Änderung der Trump-Administration hinweist, sondern nur die hegemoniale Geostrategie wiederspiegelt. Man versucht durch Kompromisse auf allen Seiten seine Politik durchzusetzen, doch stets kalkulierbar für Washington.) Doch hochinteressant kommt die Annahme daher, dass ein Zusammenschluss, Russland und China [wie wir ihn heute teilweise sehen] zu deren beider Isolation und anhaltender Rückständigkeit verurteilen würde.

Auch sei keinesfalls erstrebenswert, dass die Staaten Westeuropas amerikanischen Einfluss untergraben, indem Stützpunkte amerikanischer Vorherrschaft eliminiert werden würden. Gesprochen wird auch oft von Frankreich, das die Vormachtstellung in Europa gerne erlangen würde, um zu alter Stärke zurück zu gelangen. Als eines der vorrangigen Mittel der Umsetzung die Machtbalance zugunsten der USA zu erhalten, ist die Rede von „politischen Aktivposten“, was letztlich nichts weniger bedeutet , als dass die USA stets treue Marionetten in der europäischen Politik platzieren müssen. (Anm.: Das erlebt man seit den Jahren nach dem 2. Weltkrieg in Europa und wird außerdem neuerlich von dem neu gewählten französischen Präsidenten Macron behauptet. Im Hinblick auf die Angst der USA, durch eine starke, unabhängige, französische Regierung zu viel Konkurrenz und Machtansprüche in Europa zu erwarten, wird nur die Annahme bestätigt, in Macron eine Marionette des amerikanischen Finanzadels und Imperialismus zu sehen.)

Russland wird durch Brzezinski bescheinigt, ohne die Ukraine kein eurasisches Reich mehr zu sein. Die Möglichkeiten wären auch weiterhin dahingehend begrenzt. (Anm.: Das macht die Ukraine geopolitisch für imperiale Auswüchse auch derart wichtig im Hinblick auf den imperialen Status-quo der USA. Immerhin geht es um die „einzige Weltmacht“. Mit Hilfe des Ukrainekonflikts erfolgte eine tiefgründige Spaltung innerhalb Europas, in Folge dessen auch Eurasiens.) Außerdem müsse wie oben angesprochen die Achse Russland-China [inbegriffen der Iran] verhindert werden, als auch eine chinesisch-japanische Achse, sowie eine Absprache jeglicher Hinsicht mit Russland durch europäische Mächte [Frankreich, Deutschland]. (Anm.: Hinsichtlich der Achse China-Japan bietet wiederum der Konflikt mit Nordkorea Anhaltspunkte als strategischer Knotenpunkt, dazu aber weiter unten mehr. Der Nordkoreakonflikt ist schlicht ein Mittel zum Zweck die geostrategischen Ziele durchzusetzen. Die Handlungen Nordkoreas scheinen daher nur mehr Kalkül, um entsprechend der eurasischen Vormachtstellung Chinas durch Koorperation mit seinen Nachbarn entgegenzuwirken, um eventuell sogar China aus der Reserve zu locken oder politische Patzer sanktionieren zu können, folglich Machtverhältnisse zu schwächen. Andererseits muss man bedenken, das Sanktionen, sowie Embargos letztlich auch immer die Exporteure in die sanktionierten Länder beeinträchtigt und bestraft.)

Eine europäische Einigung wäre für Brzezinski eine Brücke für die USA in den eurasischen Raum. Das amerikanische Protektorat auf den europäischen Kontinent wird aber nach seiner Auffassung weiterhin als solches bestehen bleiben. (Anm.: Hier wird nochmal der Status der EU deutlich, der sich vom Erscheinen des Buches bis heute nur unwesentlich verändert haben dürfte, ja sogar verschlimmert.) Die grundlegend vorangetriebene Integration der EU durch Deutschland wird in der Strategie als Deutschlands Wiedergutmachung geschichtlicher Ereignisse bezeichnet, von einer „moralischen und politischen Reputation“ ist die Rede. Würde Deutschland das gemeinsame europäische Interesse fördern, sollten es Respekt und Unterstützung der anderen Europäer dafür bekommen. (Anm.: Dahingehend liegt das Risiko, dass man Deutschland ins offene Messer laufen lässt, denn aktuell scheint die deutsche Europapolitik nicht weniger als verhasst unter der Mehrzahl der Europäer zu sein. Angefangen mit der gemeinsamen europäischen Fiskalpolitik, allen voran die Bewältigung der griechischen Staatsschuldenkrise bis hin zur Migrationspolitik, die man eher von Deutschland diktiert sieht, als die europäische Integration damit zu fördern. Natürlich muss man anmerken, dass zur Zeit der Verfassung dieses Buches heutige Ereignisse noch weit in der Zukunft lagen.) Über Frankreich schreibt man, wie schon erwähnt, es ist daran eine europäische Integration nutzen zu wollen, um zu alter Führungsstärke zurück zu gelangen, die aber aus US-amerikanischer Sicht nicht stark genug ist. (Anm.: Deutschland scheint bevorzugt zu werden. Frankreich wird möglicherweise durch amerikanische Fremdsteuerung unten gehalten, so auch um die Machtstrukturen in Europa von Seiten der USA nicht aus der Hand zu geben, da Deutschland ein treuerer Vasall bisher gewesen zu sein scheint, letztlich steuerbarer.)

Über Großbritannien heißt es, es würde die Einheit Europas als solche ver- bzw. behindern, aus diesem Grund könne das Sonderverhältnis nicht weitergeführt werden. Weiterhin würde Großbritannien eine europäische Vergrößerung anstreben, um daraus die Einheit zu verwässern. (Anm.: Somit würde das eher darauf schließen, dass der Brexit alles andere als zufällig und ungewollt aus Sicht der amerikanischen Geostrategie gekommen ist, da man Großbritannien eher als Störenfried, Feind und nicht integrierbar in die europäischen Pläne angesehen hat.) [Alles in allem scheint die europäische Vereinheitlichung und die Osterweiterung in hohen Maß auf den Willen der hegemonialen Macht USA voranzuschreiten. Heute stagniert genau diese Ausdehnung Europas und der EU vor der [Stagnation] Brzezinski mit dem Ergebnis nationalistischer Strömungen gewarnt hat. Somit könnte die für ihn wichtige Brückenkopffunktion Europas im eurasischen Raum verloren gehen.]

Die Nato gelte in der amerikanische Geostrategie existentiell für die europäische Einigung und Erweiterung. Ohne das westliche Militärbündnis würde Europa in seine Einzelstaaten zerfallen. Die Osterweiterung sei ebenfalls existentiell. (Anm.: Heute erleben wir Pläne eines Umbaus des westlichen Militärbündnis, was letztlich durchaus auf die Strategie Brzezinskis zurückgehen könnte. Die USA ziehen sich aus dem Bündnis zurück und überlassen die Koordination und Finanzierung ihre Vasallen aus Europa. Doch ein Kompromiss mit Russland, wie angestrebt, scheint nicht im Stande.) Dabei stehe Russland die Tür zu Europa offen, [was nichts weniger bedeuten mag, dass Russland unter amerikanischen imperialistischen Regeln eine Integration möglich gemacht wäre.] (Anm.: Letztlich bleibt immerhin den Imperialisten nichts anderes übrig, als Russland einzubeziehen, um ihre Weltherrschaft zu etablieren. Die Frage stellt sich nur, zu was für einen Preis für ihre Konkurrenten aus Russland oder der EU. Wohl nichts weniger als unter dem Diktat der USA, der Nato und ihrer Bankenelite. So hatte man stets auch Angst und die Befürchtung, Russland könne Ambitionen haben, ein neuerliches Imperium über Europa aufzubauen, das man schon im zweiten Weltkrieg mit Hilfe der Aufrüstung der deutschen Wehrmacht und Hitlers zerschlagen wollte, was man schlussendlich Jahre später auch geschafft hat. Seit dem wird versucht die Machtblöcke Russland und Deutschland durch äußere Einflüsse zu schwächen und eine Einigung, vor allem auch in wirtschaftlichen Fragen nicht zuzulassen. [Es sei denn, es dient den eigenen (Profit-)Interessen der USA. Im Kalten Krieg hatte man den russischen Feind mit Hilfe der Nato-Geheimarmeen in seiner möglichen Ausbreitung bekämpft. Die politischen Größen im Hintergrund des politischen Theaters in den USA haben sich bis zuletzt seit dem kalten Krieg nicht geändert. Somit kann davon ausgegangen werden, daß die gleichen Strategien heute auch noch Anwendung finden, nur in einem anderen Rahmen.)

Mit dem Fall der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes entstand Brzezinski nach ein „schwarzes Loch“ [ein Machtvakuum] mitten in Eurasien. Dort dürfe kein neues Imperium entstehen. Russland müsse sicher eingebunden werden. (Anm.: Gemeint ist vermutlich die Sicherheit für Europa und die USA.) Russland hatte vor allem mit dem Bruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes auch seine Vormachtstellung am schwarzen Meer an die Ukraine verloren, jene Ukraine, die ausschließlich die Voraussetzung war, für ein eurasisches Reich, wie es die Geostrategie beschreibt.

Nachdem eigentlich China als fortlaufender und gleichgesinnter Partner Russlands nicht in Frage kommen würde, [aufgrund sich unterscheidender Ambitionen und eines voneinander abweichendem Wirtschaftsmodell] wäre die einzige Option Russlands, eine angemessene Beziehung zu einem transatlantischen Europa zu unterhalten. (Anm.: Somit hat man Russland im Schwitzkasten und mittels Sanktionen versucht man stetig diesem Ziel näher zu kommen.) Dazu müsse Russland seine Einstellung ändern und imperiale Ambitionen vernachlässigen, vor allem die Unabhängigkeit der Ukraine anerkennen. (Anm.: Die Ukraine solle demnach völlig zur westlichen Ausbeutung freigegeben werden und dem westlichen Spiel der Geostrategen zum Opfer fallen, um nichts anderes scheint es nach neusten Erkenntnissen im Ukraine-Konflikt zu gehen.) Das ließt sich wie die Bedingung und die einzige Option für Russland europäische Partnerschaften zu schließen. Es wird sogar bezeichnet als ein Kampf ums Überleben der Russen, so dass sich schlussendlich tatsächlich Russland für die Kooperation mit dem imperialen Strukturen in Europa entscheiden müsse. (Anm.: Das scheint das Ziel der Schwächung Russlands zu sein. Vor allem sollen Russland die Bodenschätze des eurasischen Balkan abtrünnig gemacht werden, diese Länder sollen sich dem Westen zugeneigt fühlen. Dennoch soll Russland eingebunden werden, vorstellbar als Geldgeber oder Abnehmer von Bodenschätzen, dem imperialistischen westlichen Diktat untergeordnet. Dem ordnet sich aber Russland derweilen nicht unter. Mit dem erkämpften Anschluss der Krim an Russland wird die Position Russlands hinsichtlich Zentraleurasiens sichtbar.)

China setze sich für eine südostasiatische Wirtschaftskooperation ein. Außerdem liegen deren Interessen an Erdölreserven im Südchinesischen Meer (Anm.: Angrenzend sind Malaysia, Philippinen und Vietnam.) und an Rohstoffreserven in Zentralasien. (Anm.: Dort werden große Reserven an zukünftig noch kostbareren seltenen Erden vermutet/entdeckt [das zukünftige Erdöl], weshalb auch Afghanistan im Interesse mehrerer Großmächte liegt, neben dem Anbau von Mohn für die Pharmaindustrie. Auch für die deutsche Industrie scheint Afghanistan dahingehend überaus wichtig zu sein, so dass Deutschland Grund dessen Militär auch weiterhin in Afghanistan stationiert haben wird, trotz aller Versprechungen, die Bundeswehr abziehen zu wollen. Sicher auch im Interesse der USA. So kommt es nur zu gelegen, Afghanistan in der Öffentlichkeit eine unsicheren Status anzuheften und Terror sich zu Nutze zu machen. Die Rechtfertigung für die Stationierung von Truppen in einem weit umkämpften mitteleurasischen Raum scheint für imperiale (Wirtschafts-)Interessen zwingend erforderlich. Religiöse Spannungen und die instabile Lage auf die auch Brzezinski in dieser Region hinweist, werden seit jeher durch die CIA [allg. westliche Geheimdienste] geschürt und genutzt, fern ab vom realen öffentlichen Diskurs unter anderem gewinnorientierte Interessen zu verfolgen.)

Ein auch überaus wichtiger Punkt ist die Vormachtstellung in und um die an China grenzende koreanische Halbinsel, die einen wichtigen Baustein für die militärische Präsenz der bisherigen hegemonialen Macht USA im Fernen Osten [und im ostchinesischen Meer zwischen Korea, Japan, China und Taiwan] darstellt. Einen Versuch Chinas Korea [inklusive Südkorea] zu dominieren, würden die USA mit Hilfe Japans entgegentreten. (Anm.: Für die USA ist dieses Dreh- und Angelkreuz geostrategisch im ostchinesischen Meer überaus wichtig. Der Verlust von Einfluss in dieser Region würde der USA militärische, daraus folgend auch imperiale Stärke entreißen, was an der steten Aufrüstung an den Grenzen Chinas deutlich wird. Somit liegt nahe, das Nordkorea [als Atommacht] weniger eine Gefahr für die amerikanische innere Sicherheit darstellt, wie es stets propagiert wird, als das es ausschließlich um geostrategische Einflusssphären/Macht im Pazifik geht. Somit wäre vor allem für die USA eine weitere Atommacht in der Region nicht hinnehmbar, von der die Gefahr ausgehen würde, die USA aus der Region vollends zu vertreiben. Machtverlust steht also auf dem Spiel. Indem man von Nordkorea militärische Raketentests etc. provoziert, erreicht man auch ein Unbehagen von Seiten Russlands und vor allem Chinas, seines Einfluss ebenfalls durch Nordkorea beraubt zu werden. Andernfalls wäre China nur angenehm den amerikanischen Einfluss zu reduzieren. Dem als imperiale Macht USA entgegenzuwirken und den eigenen Einfluss zu bewahren, somit Nordkorea klein zu halten, sorgt man auf globaler Basis im eigens dominierten UN-Sicherheitsrat für weitreichende Sanktionen und Maßnahmen gegen Nordkorea [mit Hilfe medialer Unterstützung]. Dem heimischen militärisch-industriellen Komplex leistet man zudem enorme Dienste, um die Gewinne zu steigern.)

China wolle die hegemoniale Macht der USA friedlich überwinden, da ein kriegerischer Konflikt den chinesischen Aufschwung beenden würde, [der letztendlich China zur Weltmacht führen sollte]. Der chinesische Einfluss würde [aber] dahingehend eingedämmt, das die USA in Japan eine dominierende Rolle inne hat. (Anm.: Ähnlich in Deutschland für Frankreich. China muss der eigenen Geopolitik zu Folge den hegemonialen Streben der USA friedlich entgegentreten, den Weltfrieden sichern und darüber hinaus eine „internationale politische und ökonomische Ordnung aufbauen.“ [Deng Xiaoping] Daher sucht auch China sicher keine offene Konfrontation mit Nordkorea oder auch Japan, sondern spielt nur „böse Mine zum guten Spiel“. Weiterhin ist es angehalten mit Russland zu kooperieren zum eigenen Nutzen.) Außerdem sei es an China, die Kooperation mit Japan zu verfestigen, auch um die japanisch-amerikanische Partnerschaft aufzuweichen. (Anm.: Das würde ebenfalls erklären, warum China die Sanktionen gegen Nordkorea in voller Härte mitträgt. China will die Tür nach Japan weiterhin öffnen, das könnte man nicht, wenn man sich offensiv auf die Seite Nordkoreas stellt. Welche Klüngeleien im Hintergrund noch laufen ist verborgen, wobei es doch vorstellbar ist, das China über jegliche Aktionen Nordkoreas im Vorfeld informiert ist, diese bis zu einem gewissen Punkt sogar befürwortet und akzeptiert. Gerade auch aus dem nächsten Punkt heraus.) Chinas Anliegen müsse sein, den Einfluss der USA in der Region so weit zu schwächen, das die USA China als Partner und Verbündeten in der Region brauchen würde. (Anm.: Bisher hat die USA aus Provokationen und Kriegen noch immer ihre Vorteile herausgezogen (Teile und Herrsche), womit China also in der Defensive gegenüber der amerikanischen Macht steht, denn es ist mit weitaus größeren Anstrengungen verbunden Frieden zu erhalten, als Krisen und Kriege zu provozieren. Womit nun die USA erst ihre imperiale Macht erlangt und bisher stets erhalten haben.)

Weiter würde Peking davon ausgehen, das die USA in Asien in die politische Isolation geraten würde, weil sie zu sehr auf Japan setze. Auf dieser Grundlage würde China die USA gegen Japan ausspielen können, so dass der USA in der Region nichts anderes übrig bliebe, als mit China zu kooperieren. Was bedeutet, dass China kalkuliert, mit der isolierten Achse USA-Japan den Einfluss der USA zu brechen. (Anm.: Darum mag die Vereinigung Koreas auch erstmal im Interesse Chinas zu liegen, um somit einen ostasiatischen Bund herzustellen.) Zugrunde läge dafür ein starker Wille der Japaner den amerikanischen Einfluss in der Region loszuwerden, was stets zur Isolation geführt habe. Dennoch wolle man [als Japan] den westlichen Standard nicht verlieren, doch aber engere Beziehungen mit China pflegen. Dabei spiele aber die Angst eine Rolle, bei zu großen chinesischen Einfluss, Wohlstand zu verlieren. So wolle Japan sich die USA zu Nutze machen, internationale Anerkennung erlangen, Feindseeligkeiten aber in Asien vermeiden, doch den Schutz der hegemonialen Macht nicht verlieren. Außerdem wolle man eine Konfrontation mit China vermeiden. Dennoch würden die Japaner befürchten, ziehe sich die USA aus der Region zurück, dass Japan den Nachbarn China und Nordkorea, als zwei regionale Atommächte, ausgeliefert wäre. Dies speziell hinsichtlich der Versorgung von Rohstoffen, [daher meint Japan auf die Schutzmacht USA angewiesen zu sein]. (Anm.: Man darf durchaus davon ausgehen, das Japan den annähernd gleichen Status besitzt wie die BRD. Darauf hatte man im 2. Weltkrieg erfolgreich hingearbeitet. Somit sollten sich die Japaner also den amerikanischen „Schutz“ ebenso teuer erkaufen, aber auch keine andere Wahl haben, als sich von der USA diktieren zu lassen, ansonsten Gewalt und Sanktionen zu erfahren. Was aber durch ausgewählte Marionettenregierungen nicht von Nöten sein soll. Den Vorteil erfährt Japan ausschließlich dadurch, nicht nur von „gleichwertigen“ Vasallen umgeben zu sein, sondern von Ländern mit eigenen Machtansprüchen, nun ja, was natürlich auch wieder negative Auswirkung haben dürfte. Somit meint man letztlich scheinbar, sich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen, gleichermaßen beherrscht zu werden, aber auch sich ein Stück weit frei zu machen. Ähnlich wird es den europäischen (nicht Atom-)Mächten gehen. Da man aber in Japan, die Vermutung liegt nahe, den Wohlstand durch westlich/amerikanisch gesteuerte Medien propagiert bekommt, ähnlich der unseren Gesellschaft, entscheidet man sich sicher gern für eine amerikanische Führung, um keine Einbußen im täglichen Verschwendungswahn alias Wohlstand zu haben. Obwohl sich die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsform in China nur noch marginal vom westlichen Kapitalismus unterscheiden dürfte. Eben deswegen fühlt sich doch China von europäischen Interessenten mehr verstanden als durch ihre russischen Verbündeten, man könnte sagen, China wittert größere Profite mit einer engeren Verbindung zu Europa und den USA. Jegliche Ziele dienen ausschließlich der eigenen Interessen.)

In Schlussfolgerung gewährt Brzezinski China die Macht zu, um Amerika ebenbürdig zu sein, aber auch um vor allem Russland in Zentralasien der Kontrolle fernzuhalten. Klar wird, Russland dürfe keine Großmacht mehr werden. Die russische Gefahr scheint vor allem für das vorhandene Imperium präsent zu sein. Auch aus dem Grund, weil man tatsächlich befürchtet Russland wolle Europa völlig in seine Einflusssphären bringen, wobei die USA keinerlei Machtansprüche mehr hätte, was in den Interessen hinsichtlich der USA zu China überhaupt nicht zu erkennen ist. Als die Worte der Demokratisierung Chinas fallen muss man schon kurz die Luft anhalten und sich tatsächlich fragen, was damit aus der Erfahrung heraus gemeint sein könnte. Doch eine militärische Konfrontation der beiden Großmächte kann durch beidseitigen Willen durchaus ausgeschlossen werden, da es letztlich keine Gewinne geben würde. Der Kampf wird sich strategisch wirtschaftlich beschränken. Die USA wissen um ihre geschwächte Position gegenüber China und um die Stärke Chinas, vor allem auch die Anerkennung Chinas unter ihren Verbündeten, eben deshalb muss man mit China kooperieren. Für China wäre Krieg fatal und ein Zusammenbruch der steten Entwicklung zur größten wirtschaftlichen Stärke. Für das derzeitige Imperium heißt es den Status beizubehalten, Zugewinne werden wohl vor allem im asiatischen Raum schwierig werden. Zentraleurasien scheint weiterhin umkämpft mit strategischen Mitteln. Allerdings darf man durchaus eine Hinterlist von allen Seiten erwarten. Überaus friedlich und harmonisch werden die Ziele wohl nicht zu verwirklichen sein. Aber manchmal hackt die eine Krähe der anderen doch kein Auge aus, wenn es um gegenseitige Gewinne,Vorteile und Klüngeleien geht.

Marcel L.

Quelle: The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, 1997

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