Gedanken zur Zeit

Klar ist, wir alle müssen für unseren Lebensunterhalt was tun. Lebensmittel, Kleidung und ein warmes Dach über den Kopf kosten Leistung. Wohlstand fängt dort an, wo die lebensnotwendigen Bedürfnisse aufhören. Deshalb ist er nicht zwingend erforderlich, macht aber das Leben angenehmer und bequemer. Viel der heute erbrachten Leistung fördert Wohlstand, nicht immer nur den eigenen. In der Mittelschicht könnte man vielleicht tatsächlich mit der Hälfte an Leistung, der daraus erstatteten Vergütung auskommen, müsste aber etwa auf Teile des hiesigen Wohlstands verzichten oder könnte sich dahin nicht verwirklichen. Nun wenn man aber bedenkt, wohin übermäßiger Wohlstand und der daraus erbrachte Konsum führt, Umweltverschmutzung, demoralisierte Gesellschaften, Verschwendung etc., wäre es doch gar nicht so schlecht für weniger Wohlstand zu plädieren, wo es einfach nur noch gesellschaftlichen Schaden anrichtet. Will man zukünftig eine Energiewende authentisch bekräftigen, würde das auch nur über ein komplett anderes Bewusstsein gehen. Verbrauchte Energie für den sog. „Fortschritt“ der erneuerbaren Energien muss an anderer Stelle, im Verlauf wieder eingespart werden, mindestens im gleichen Umfang, damit es keinen negativen Effekt hervorbringt. Lohnen würde sich das nur, in dem noch mehr gespart wird. Nur weil Energie „sauberer“ wäre, kann man jetzt nicht Unmengen mehr verbrauchen. Wozu aber so viele der Beteiligten neigen.

Nun werden aber auch 40 oder mehr Stunden in der Woche gearbeitet, nur damit man sich Dinge leisten kann, die man im Grunde gar nicht braucht zum Leben. Es wird Gutes weggeschmissen und entsorgt, nur damit man zu Gunsten von Wirtschaftswachstum neues produzieren kann, von dem vor allem ein kleiner Adel profitiert. Dabei ist es vor allem auch wichtig beschäftigt zu sein, am besten noch produktiv. Arbeit gilt als eines der Lebenselixiere. Es ist gar so verkorkst, daß man alles unproduktive, also was man danach nicht auch anfassen könnte, als minderwertig abtut. „Wieder nicht viel geschafft.“ Dabei ist es der unbändige Drang so viel wie nur möglich zu verwerten, damit man am Ende des Tages zufrieden sein kann. Das ist völlig irrsinnig und beschleunigt letztlich nur den Untergang, den Verfall, die Mittellosigkeit und die Zerstörung. Nur damit wir irgendwann in ferner Zukunft das „Ultimative“ entwickelt haben. Wird das aber tatsächlich passieren? Der Mensch ist grundlegend unzufrieden, mit dem was er hat. Die Werbung weckt stetig neue Bedürfnisse und die Politik fordert Veränderungen und Wachstum. Wer tatsächlich mal ansatzweise hinterfragt, was die „fortschrittliche“ Gesellschaft täglich produziert und wie viel, vor allem für welchen Zweck sie tatsächlich das geschaffen hat, wird an einem Punkt ankommen, wo es gilt sich zu entscheiden. Vor allem die Frage nach dem Opfer der Produktivität lässt doch Zweifel aufkommen über die Sinnhaftigkeit so vieler Dinge. Opfer der eigenen Gier wird man nicht selten selbst. Spätestens wenn man mit Krankheit oder Behinderung ausgestattet ist, die vermeidbar gewesen wäre. Leider geht es nicht ausschließlich darum, einen gewissen angenehmen und ausreichenden Standard zu erhalten, sondern diesen stetig zu modernisieren und erweitern. Ein anderes Wort dafür könnte sein – Wirtschaftswachstum. Es scheint doch dieses Wirtschaftswachstum nicht grundlegend dafür verwaltet zu sein, um denjenigen, der nichts oder nur sehr wenig auf der Welt hat, ein ebenso angenehmes Leben zu ermöglichen. Daran teilhaben zu lassen und die Möglichkeiten zu geben, sondern vor allem jene, die sich einer gewissen Sicherheit erbracht und gewährleistet sehen, mehr einzubringen. Völlig legetim, doch scheint es langfristig eher zu schaden. Andere Wege als die derzeitigen scheint es aber nur schwer zu geben, da nur derjenige mehr tut, der auch mehr davon erwarten wird. Außerdem überzeugt eine freiheitliche Wirtschaft dann doch mehr, als eine politisch kontrolliertes System. Es gibt keine grundlegende Selbstlosigkeit, vor allem nicht in der Politik, wie man es erwarten könnte, bei der man für eine gute Tat nicht auch eine Gegenleistung erwarten würde. Da würde mir schlagartig Entwicklungshilfe in den Sinn kommen, die aber mehr auf Eigennutz ausgerichtet scheint, als das sie gesellschaftliche Standards schnellstmöglich zu erbringen versucht. Die Politik ist zu einfach gestrickt, als dass man sich nicht viel mehr nehmen würde, wie man tatsächlich an Leistung erbracht hat. Stichwort – lebenslange Pensionen etc. Dem Gegenüber zahlt die Wirtschaft sichtlich dafür ihre Vorteile genehmigt zu bekommen. Letztendlich wäre aber im Gesamten wieder die Möglichkeit das zu Leistende auf mehrere Schultern zu verteilen, daß eben auch bezüglich der Resultate mehr Beteiligte partizipieren könnten. Viele wollen aber können nicht, oder werden schikaniert und behindert, von Größeren unterdrückt. Es müßte also wiederum jemand verzichten, damit andere Anteil haben können. Verzichten liegt aber scheinbar nicht im menschlichen Grundverständnis. Auch das mag es aber schon gegeben haben, doch grundlegend funktioniert scheint es auch nicht zu haben. Weil unsere Bedürfnisse weit mehr als Hunger und Schutz sind. Außerdem haben wir scheinbar viel zu viele und viel zu unterschiedlich Charaktere, die sich niemals auf einen gemeinsamen Konsens einigen könnten, da auch grundlegend dagegen gearbeitet wird.

Die Bundesbank hat unterdessen vor einer Rentenkrise gewarnt. Deswegen sollte das Rentenalter und die Rentensteuer erhöht werden. Rechtfertigen könne man das mit dem steigenden Lebensalter. Die Art und Weise, wie unsere Sozialsysteme funktionieren sollen, Junge versorgen die Alten, Reiche die Armen, funktioniert aber mit derart Politik nicht. Regierungen machen ausschließlich Schulden und denken nie daran diese Schulden auch mal wieder zurückzuzahlen. Sie wirtschaften mit fremden Geld, auf das sie keine Fürsorge leisten müssen. Das macht es so einfach Gelder zu verschwenden. Eine verantwortungsvolle Person ist daran Sicherheiten aufzubauen, da es nie konstant nach oben geht und man auch mal Rückschläge oder Einschnitte verkraften muss, ohne gleich eine Überschuldung zu befürchten. Außerdem kann man im Grunde nur so viel ausgeben, wie man tatsächlich zur Verfügung hat und Sicherheiten bieten kann. In der Politik ist das obsolet, weil ausschließlich der Steuerzahler haftet, ob er will oder nicht. Nun kann man immer schwer einen Staat mit einer Einzelperson vergleichen, aber eine Rentenlücke müsste mit einer Reserve ausgeglichen werden können. Alles andere lässt letztlich die Gefahr wachsen eines Zahlungsausfalls bzw. eines Staatsbankrotts. In unserem Zinssystem verlagern wir prinzipiell die Leistung in die Zukunft, auf nachfolgende Generationen, nur damit wir heute unseren Wohlstand leben können. Allen voran die Politik scheint nach diesem Schema zu verfahren. Dabei liegen unsere gravierenden Probleme auch weniger im Rentensystem, dort gibt es nun mal nur so viel zu nehmen, wie auch eingezahlt wurde. Bei den staatlichen Pensionen sieht das grundlegend anders aus. Politiker und Staatsbedienstete beanspruchen Gelder und Systeme, in das sie nicht direkt eingezahlt haben in der Höhe eines Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte. Wenn jeder Beitragszahler sein Geld als private Vorsorge angelegt hätte, könnte man, finanzpolitische Sondereffekte außen vor gelassen, von diesem Ersparten im Alter gut leben. Vermögen ist gleichzeitig Altersvorsorge. Doch der Zwang in ein staatliches Rentensystem einzuzahlen, bei dem sich einige nach dem Prinzip der Selbstbedienung bevorzugen, lässt letztlich das gesamte System scheitern. Keine Sorge über die Schwächeren in der Gesellschaft. Bisher haben sich immer Menschen gefunden, die solidarisch mit Schwächeren waren und diese auch finanziell unterstützen, da bräuchte es kein vor Mißbrauch ungeschütztes Sozialsystem. Denn ohne dieses wäre doch auch mehr Geld direkt verfügbar.

Marcel L.

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