„Reichsbürger“ vs. Reichsbürger

Für jede Kritik am vorherrschenden staatlichen System gibt es eine politische Antwort, die nicht mehr als die Einfälltigkeit der Menschen anzusprechen versucht, die sie immer noch gewillt ist zwangsweise zu beherrschen, weil eben das viele Vorteile versprechen und Ansprüche bedienen kann. Denn nur daraus lässt sich Macht, Wohlstand und ein gutes Leben auf Kosten Schwächerer herleiten. Vor allem globale Interessen lassen sich nur mit einem willfährigen eigenen Volk in Einklang bringen. So muss man sich doch tatsächlich mal mit der sog. Reichsbürgerbewegung beschäftigen, um zu verstehen, was den heutigen Kritikern an unserem vorherrschendem System wirklich am Herzen liegt. Dabei darf man nicht den Fehler machen, sich ins Boxhorn jagen zu lassen, von denjenigen, die ihre Gefahr nicht in der kleinen Gruppe von tatsächlich Anhängern einer „Reichsideologie“ sehen, oder aber auch den „Rechten“, sondern von einer viel größeren Gruppe von Menschen, die erkennen könnten, dass eben die vorherrschende Gerichtsbarkeit von der Politik und ihrer Lobby missbraucht, verfälscht und schlicht nicht eingehalten wird. Tatsächlich wäre unser Rechtssystem eine wahrer Segen für die Menschheit, würde es denn eingehalten werden.Das ist doch die größte Kritik derer Typus Menschen, die man konsequent mit in diese Schublade zu stecken versucht. In jener man einfach alles miteinander vermischt: Verschwörungstheoretiker, Rechtsextremisten, Geschichtsrevisionisten, Holocaustleugner, Militante. Geradewegs alles Unangenehme, dass trotz seiner politischen Umformulierung für Propagandazwecke, hinsichtlich der Staatsgläubigkeit gefährlich werden könnte. Denn schlussfolgernd muss man ganz klar erkennen, dass die Propaganda gegen Reichsbürger dazu beigetragen hat, dass ein bedeutender Teil von Wählern und politisch treuen (ebenfalls) „Ideologen“ sich als Diener einspannen lassen und politische Unzufriedenheit mittels verbreitetem Schubladendenken, hergeleitet aus der täglichen Propaganda, kontern. Natürlich gibt es diejenigen, die auf einer völlig absurden und schlicht unmöglichen Basis versuchen zu argumentieren, doch eine Gefahr werden wohl diese kaum darstellen, dass einen bewaffneter Polizeieinsatz nötig wäre. Ausschließlich eine bewusst konstruierte Gesellschaft von Neid und Missgunst macht es möglich gegen Menschen zu hetzen, die ihre Rechte und ihren Interessen in einer anderer Lebensweise suchen. Würde man tatsächlich in einer gerechten und solidarischen Welt leben, und würde das auch von Seiten der Einflussreichen sowie jedem einzelnen Individuum gewaltlos erkämpft werden, bräuchte man derart Diskussionen gar nicht zu führen.

Dabei kommt es weniger darauf an, ob die BRD nun ein legitimer und souveräner Staat ist. Das Augenmerk sollte tatsächlich ein anderes sein. Die politische Verwaltung Deutschlands ist wie viele andere ein Vasall der kapitalträchtigen Finanzwirtschaft des Westens, die sich mehr hinter Staaten, Parteien und Politikern, aber auch Gesellschaften versteckt, als dass sie tatsächlich mit dessen Wohl verbunden wäre. Es mag verständlich sein, dass das eigene Wohl an erster Stelle steht, doch sollte das Verhältnis zwischen Macht und Ohnmacht nicht derart überspitzt werden, dass sich die einen vollfressen, aber gleichzeitig die anderen verhungern oder prinzipiell persönlichen Schaden durch den Machtmissbrauch in Wirtschaftskriegen oder mit Waffengewalt erleiden.

Das heißt man braucht aus Sicht des einflussreichen Imperiums keine direkte Besatzung mehr, keine besonderen Statute, die die Gefahr einer Revolte gegen die Besatzer tatsächlich erst möglich machen könnten. Man versucht mit einem augenscheinlich souveränen und freiheitlichen Rechtssystem, einer Täuschung, die Menschen zu regieren. Dabei wird eben das Grundgesetz in seiner Gänze nicht eingehalten, ebenso das Völkerrecht, und nach demokratischer und rechtstaatlicher Norm mit unabhängiger Gerichtsbarkeit verfahren. Gerade das ist eines der bedeutendsten Kritiken der oftmals fälschlicherweise als Reichsbürger bezeichneten Rebellierenden. Die Stigmatisierung, bei der man alles nur mögliche in eine Kiste wirft, ohne genau und kritische zu selektieren, muss ein Ende haben. Vorwärts würde man ohnehin nur mit Kompromissen kommen, die sämtliche Meinungen, Interessen und persönliche Anliegen mit einbeziehen. Und das etwas extrem im Argen in diesem Herrschaftssystem namens Demokratie liegt, scheint nun mal unbestritten und Protest hat viele mögliche und auch durchaus gerechtfertigte Seiten.

Der Tribut bezeichnet historisch gesehen eine Steuer oder eine Abgabe, die geleistet wurde aufgrund der Vasallentreue oder der Unterwerfung an einen König oder Herrscher. Vor allem wurden Steuern erhoben um Kriege und Eroberungen zu finanzieren. Heute dienen die Steuern auch allen voran erstmal höherer Interessen, dem jene zum gesellschaftlichen Wohl erstmal untergeordnet sind. Das ist Fakt. Eben darum werden doch einige wenige reicher, währenddessen andere in ihrer Armut, in Krankheit und Krieg verharren. Jegliche weltliche Einflussnahme hat in erster Linie ein Interesse ganz eigene Vorteile daraus zu ziehen. Darunter zählen auch Wirtschafts- und Entwicklungshilfe, der Aufbau staatlicher Infrastrukturen etc. Wenn das aber die menschliche Natur ist, dann ist das doch nicht jedermanns Sache, denn grundlegend werden nur sehr wenig Menschen bereit sein, andere unmittelbar gegenüber verhungern zu lassen, während dessen man selber in Überfluss lebt. Möglich machen tut das nur die tägliche Propaganda und der konsequente mediale Aufbau von Feinbildern und Feindseeligkeiten. Dabei spürt man doch allen voran in seinem unmittelbaren Umfeld, dass es einem selbst nur gut geht, von es dem Gegenüber auch gut geht. Hat einer naher Bekannter unterdessen Probleme und Sorgen, beschäftigt das einem selbst ebenfalls. Problematisch ist dabei nur, dass wir nicht in der Lage sind über Grenzen und die eigenen Befindlichkeiten hinaus eine kollektive Vorstellung zu erlangen.

 

Marcel L.

 

 

2 Comments

  1. „Problematisch ist dabei nur, dass wir nicht in der Lage sind über Grenzen und die eigenen Befindlichkeiten hinaus eine kollektive Vorstellung zu erlangen.“

    Das hat etwas mit den Konditionierungen zu tun, mit denen sich die Szene insgesamt nicht auseinandersetzt – vereinfacht ausgedrückt. Ich habe mich jedoch mit dem Thema weiträumig beschäftigt.

    1. Das war von meiner Seite eher auf die Allgemeinheit bezogen. Aber wie erklärst du dir diese fehlende Auseinandersetzung “ dieser Szene „? Ich denke nur ich weiß, worauf du hinaus willst.

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