Von Leiharbeit profitieren die Falschen

Leiharbeitsfirmen gehören anscheinend schon fest zum modernen Wirtschaftssystem. Große Teile staatlicher Aufgaben, die Menschen in Lohn und Brot zu bringen, wurden somit ausgegliedert in staatlich geförderte Privatunternehmen, die ebenfalls nur wenig Ansprüche an moralisches Verhalten stellen, wahrlich Menschen Sicherheit und ein angemessenes Einkommen bieten zu wollen. Es zählen wie immer nur Profite. Und dort wo Unternehmensbosse mehr „Flexibilität“ wünschen, soll es deshalb auch wiederum andere geben, die diese Flexibilität bereitstellen dürfen, sich das gut bezahlen lassen mit staatlicher Unterstützung. Die menschliche Arbeitskraft ist nicht mehr als eine Ressource, die es ebenso heißt günstig und ausschließlich (und zu jeder Zeit) gewinnbringend einzusetzen. Und das die Ressourcen immer billiger, brutaler und gewissenloser ausgebeutet werden, ist anscheinend unabdingbar geworden. Die Leistungsgesellschaft in gewinnmaximierenden Unternehmen hat den Pfad von Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und Rücksicht längst verlassen. Das muss man leider vielerorts tagtäglich mitverfolgen.

Leiharbeitsfirmen existieren, weil immer mehr Menschen profitieren dürfen und sollen. Nur nicht die, die wahrlich harte Arbeit leisten, der meisten (Leih)Arbeiter selber. Selbstverständlich ist das zu relativieren, manchmal öffnet gerade das auch Türen, (was aber auch auf anderen Wegen möglich gewesen wäre). Einbußen müssen erstmal getragen werden.  Doch die Türen sind wohl nicht in der Regel. Und all zu oft. Im Gegenteil, den Firmen und vor allem Konzernen gibt es gute Möglichkeiten „unnützen Balast“ in vermeintlich schwierigen Zeiten einfacher wieder loszuwerden. Während der Tätigkeit spart man außerdem die Sozialausgaben, die man für eine Festanstellung eines Arbeiters berappen müsste. Und schwierige Zeiten in Konzernen heißt auch nicht all zu oft nur die eine oder andere Million (Unzähliger) weniger Ertrag. Es sind Ergebnisse und kapitalistische Vorstellung vom verpflichtenden Wachstum in jeglicher Hinsicht. Letztendlich muss man sich aber vor Augen führen, dass man nur noch durch Inflationieren Wachstum und höheren Ertrag ermöglichen kann, da letztendlich die menschliche Arbeitskraft, die Energie der Ressourcen oder die räumlichen Möglichkeiten an ihre Grenzen stoßen. Ewiges Wachstum wird es nicht geben. Nun ja, die meisten Konzerne wird es nicht stören, die Politik ebenfalls nicht, spüren wird es der Konsument und Lohnarbeiter.

Die Leiharbeit ist nicht nötig. Außerdem gibt es eine Probezeit in einer „schlichten“ Anstellung, oder befristete Verträge, die derart Firmen nutzlos erscheinen lassen könnten. Im Laufe der letzten Jahre sind diese privaten Arbeitsagenturen wie Pilze aus dem Boden gewachsen. Dabei machen diese nichts anderes, was die staatliche Behörde nicht auch umsetzen könnte. Nur eben zu anderen Bedingungen. „Leiharbeit und Werkverträge geben unserer Wirtschaft Flexibilität“, so heißt es aus den entsprechenden politische Kreisen. Was letztendlich mit sozialer Politik wenig zu tun hat, ist ausnahmslos von Lobby gesteuert und zu Gunsten großer Konzerne, die somit das Werkzeug „Mensch“ einsetzen können, wie es gerade angenehm ist. Doch Sicherheit bringt es wohl kaum für den Arbeiter. Dieser weiß, dass er von einer Stelle zur nächsten wandert, zwischenzeitlich vielleicht keine Tätigkeit ausüben darf. Von zusätzlichen Zahlungen ausgenommen ist.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ so heißt es nach 9 Monaten im neuen Grundsatz ab dem 1. April. Letztendlich bedeutet das doch nichts anderes als nach 9 Monaten ist spätestens bei den meisten Verträgen vorerst auf jeden Fall Schluss. In der Vergangenheit haben fast 48% der Verträge nicht mehr als 3 Monate gedauert und fast 80% unter den besagten 9 Monaten gelegen. Was also so schön toll klingt für das künftige Wahlvieh ist nicht mehr als eine schön umschriebene Mogelpackung, deklariert als Sozialpolitik und Fortschritt. Die Überlassungshöchstdauer soll dabei künftig bei 18 Monaten liegen. In Bezug auf die vorhergehenden Zahlen größtenteils unrelevant. Hört sich auch nicht schlecht an im Jahr einer entscheidenden Wahl. Denn gerade ein Leiharbeiter, der größtenteils dafür eingestellt wird, um einfache Tätigkeiten über einen begrenzten Zeitraum zu verrichten (natürlich um darüber hinaus de Unternehmen noch Geld zu sparen und umständliche Kündigungsprozeduren zu umgehen), wird doch häufig gerade deshalb ausgewählt. Um keine großen Umstände damit zu haben. Er ist letztlich jederzeit austauschbar. Wird tatsächlich ersetzt. Es bleibt bei weniger Rechten und einer vergleichbar schlechteren Bezahlung bei gleicher Arbeit zu Gunsten vermeintlicher Wohltäter. Da helfen auch die schönen Formulierungen nichts, die auf der Seite des BMAS nachzulesen sind. Und bei ordentlichen Arbeitsbedingungen und angemessener Bezahlung, würde sich da nicht auch für unliebsame Tätigkeiten Personal finden lassen?

Marcel L.

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